Niederösterreich: Die Titanic der Burgen

Ein Artikel von Sabrina Bühn | 05.02.2020 - 09:03
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Der viergeschossige Bau hatte enorme Ausmaße © Gerald Stiptschitsch

Hoch über dem Kaltenleutgebener Tal thront die wohl älteste Burg im Wiener Wald: Kammerstein. Die heutige Ruine hat eine spannende Geschichte, die Entdecker einlädt, die damalig „uneinnehmbare“ Festung aus allen Winkeln zu erschließen. Sie ahnen es bereits: solche Schöpfungen der Superlative ereilte viel zu oft ein tragisches Schicksal – siehe auch die „unsinkbare“ Titanic!

Der Legende nach wurde die Burg nach einer recht kurzen Lebensdauer von nur vier Jahrzehnten schon im Jahr 1295 zerstört und niedergebrannt. Entweder wurden die Schäden danach wieder repariert oder aber es ist alles Schall und Rauch um die Burg Kammerstein, denn in späteren Dokumenten wurde immer wieder von ihr in Zusammenhang mit Verpfändungen berichtet.

Damals erbaute Otto von Perchtoldsdorf die unglaubliche Festung, die vierstöckig gewesen sein soll. Mit ihren zwei Meter starken und 15 Meter hohen Außenwänden wäre es allein schon schwer genug gewesen diese Burg jemals einzunehmen. Doch erst die besondere Lage verschaffte der Burg Kammerstein den Ruf uneinnehmbar zu sein. Die Burg erhebt sich auf einem 30 Meter hohen Felsen, dessen Wände fast senkrecht sind. Nur an einer Seite ist die Steigung zwar immer noch steil, aber begehbar, durch einen künstlich aufgeschütteten, schmalen Weg, der sich in einer steilen Serpentine zum damalig einzigen Burgeingang windet.

"Trojanisches Pferd" neu erfunden

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Nur noch wenige Überreste der einst imposanten Burg sind heute noch übrig. Doch sie laden umso mehr zum Entdecken ein © Gerald Stiptschitsch

Wie also wurde die Burg eingenommen? Durch eine List à la Troja! Als sich Otto III. von Perchtoldsdorf gegen die Verwaltungsreformen des amtierenden Habsburger Herzogs erhob, musste sich dieser einen Trick einfallen lassen, um die unerreichbare Burg auf ihrem Felsenthron einzunehmen und ihren derzeitigen Burgherrn zu stürzen. Der Herzog entsandte also einen Friedensboten auf Kammerstein, der das Ende der Belagerung verkündete und den Herzog als geschlagen deklarierte. Eine Einladung zur Versöhnungsfeier in der herzoglichen Burg in Wien wurde ausgesprochen, der man gerne Folge leistete. Während sich die Männer Ottos III. in Wien betranken, verkleideten sich die herzoglichen Mannen und wurden als Männer der Burg Kammerstein „erkannt“ und eingelassen. Eine alt-bekannte Taktik, mit Erfolg. Die halb verlassene Burg stand keine Chance gegen die Invasoren von innen. Otto III. soll die Flammen seiner Burg bis nach Wien gesehen haben, was auch das letzte war, was er je wieder von ihr sah, da er bis zu seinem Tode im Kerker festgehalten wurde.

Heute gilt die Burg Kammerstein als einer der „lost places“ des Mittelalters und hat noch einige Schauergeschichten mehr auf Lager. Wer es also wagt, auf Ruinensuche zu gehen, sollte einen guten Blick und eine ausgeprägte Fantasie haben für die Mauerreste, die heute noch stehen, um sich vorstellen zu können, dass hier einmal eine der fortschrittlichsten und imposantesten Burgen ihrer Zeit stand.

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