Achtung, hier fliegen die Heringe!

Ein Artikel von Marion Pertschy | 05.03.2019 - 10:40

In der nordfranzösischen Stadt Dunkerque hat der Fasching eine sehr lange und alte Tradition. Traurige Bekanntheit hat sie sonst eher durch ihren Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und der Schlacht von Dünkirchen, die im Mai und Juni 1940 stattfand. Nur Wenige wissen, dass sie daneben auch gemeinsam mit den Städten Bailleul und Le Portel zu den Hochburgen des Karnevals zählt.

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Tausende Besucher warten vorm Rathaus auf den Heringwurf.
© Marie-Lan Nguyen/ Wikicommons

Eine lange Tradition

Die Tradition des Faschings in Dunkerque reicht bis ins 17. Jh. zurück, wo der erste dokumentierte Maskenzug am 16. Jänner 1676 stattfand. Seinen Ursprung finden die Feierlichkeiten in der Seefahrt. Die Seeleute brachten zum Fischfang, genauer gesagt zum Kabeljaufang, in Richtung Neufundland und Island auf und blieben rund sechs Monate auf See – manche kehrten überhaupt nicht wieder. Deshalb wurden sie mit einem rauschenden Fest, dem „Foye“ verabschiedet. Daraus entwickelten sich die sogenannten „Visschersbende“ – flämisch für Fischerbande – die noch unabhängig vom maskierten Karneval waren und erst später damit vereinigt wurden.

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Für die Bewohner ist es eine Ehre an den Umzügen teilzunehmen.
© Antoine Taveneaux/wikipedia.org

Umzüge durch die Straßen

Die Höhepunkte der Feierlichkeiten finden in der Woche um den Faschingsdienstag statt und ziehen mittlerweile rund 40.000 Schaulustige und Feierwütige an. Für die Bewohner von Dunkerque ist es eine Ehre an den Faschingsumzügen, den sogenannten „Bandes“, die im allgemeinen am Sonntagnachmittag stattfinden, teilzunehmen – dementsprechend aufwändig und ausgefallen präsentieren sich auch manche „Masquelour“. Angeführt wird der Umzug vom Tambourmajor in einer historischen Soldatenuniform aus der Kaiserzeit und den als Fischer verkleideten Musikern.  

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Höhepunkt der Feierlichkeiten sind die bunten Umzüge und der Heringswurf.
© Mageonyme/ Wikicommons

Der Heringswurf

Wenn die Feiernden am Rathausplatz vorbeikommen, stürmen sie auf den Platz und rufen im Chor nach dem "Hering, den sie verdienen" – ein Sprechgesang, der sich erst über die Jahre entwickelte –, bis vom Balkon des Rathauses rund 450 kg Heringe auf die Faschingsmeute geworfen werden. Am Hauptplatz endet der Umzug damit, dass die Karnevalisten die "Cantate à Jean Bart" anstimmen, die Hymne, die die Einwohner von Dunkerque Hand in Hand singen, kniend und mit abgenommenem Hut, zu Ehren des tapferen Freibeuters, der im Dienste des französischen Königs Ludwigs XIV. stand.