Skifahren ohne Schnee am Monte Kaolino

Ein Artikel von Sabrina Bühn | 19.02.2020 - 11:41
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Skifahren, Boarden oder Klettern: Am Sandberg ist alles möglich © Kseniya Resphoto/Shutterstock.com

Leidenschaftliche Skifahrer haben es schwer, wenn der Schnee fehlt. Sei es, wegen eines schneearmen Winters, oder weil gerade nicht die richtige Jahreszeit ist. Wir haben einen skurrilen Geheimtipp für alle Brettersüchtigen: Die Sandabfahrt am Monte Kaolino.


Der Monte Kaolino ist zwar per se kein Berg, hat seinen Namen aber verliehen bekommen wegen seiner stattlichen Höhe von 150 m. Der Monte (ital. für Berg) wächst allerdings permanent weiter! Denn er besteht aus Quarzsand, einem Abfallprodukt der Kaolingewinnung. Kaolin wird vor allem für die Glasherstellung und im Bauwesen benötigt. In Hirschau in der Oberpfalz, Bayern, liegt die Kaolinhalde, die für den Berg an Sand verantwortlich ist. Beim Abbau fällt deutlich mehr Quarzsand an, als benötigt und muss daher abgelagert werden. So wächst und wächst der Berg jedes Jahr, da über lange Förderbandstrecken weiterhin Sand am Nordhang abgelagert wird. Die Abfahrten finden davon ungehindert am Südhang statt. Aktuell sind ca. 35 Millionen Tonnen Sand deponiert.

Sandskiing seit über 60 Jahren

Das „Abfallprodukt“ ist mittlerweile ein begehrtes Ausflugsziel für Wintersportler. Seit 1957 der erste wagemutige Skifahrer sich gedacht hat: „Berg ist Berg!“ und die Abfahrt wagte, mutierte der Monte Kaolino schnell zum beliebtesten Sandhaufen. Bald darauf wurde eine Standseilbahn errichtet, die den ansonsten beschwerlichen Aufstieg ersetzt. Denn der Sand rutscht bei jedem Schritt wieder ein Stück nach unten! 2007 wurde dann da ganze Freizeitgelände und die Liftanlage erneuert mit vielen Extras in der Außenanlage.

Die ersten Sandskifahrer am Monte Kaolino

Sobald der erste wagemutige Skifahrer sich den Sandhang hinabwagte, begann die Erfolgsgeschichte des Monte Kaolino. Diese historischen Aufnahmen zeigen den Sandberg in den 1950er Jahren.

Geotop mit Trainingscharakter

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Die Kaolinhalden sind prägend für das Landschaftsbild um Hirschau © Allen J.M. Smith/Shutterstock.com

Die Abfahrt ist heute rund 260 m lang und 35 Grad steil. Sie eignet sich damit hervorragend für diverse Sandski- und Sandboarding-Meisterschaften, die regelmäßig stattfinden. Aber auch außerhalb von Wettkämpfen kommen Skiprofis zum Sandberg, um so auch im Sommer z. B. Slalom zu trainieren.

Das Bayrische Landesamt für Umwelt hat den Monte Kaolino als schützenswertes Geotop ausgewiesen. Zusammen mit den angrenzenden Kaolingruben zählt das Geotop zu „Bayerns schönsten Geotopen“. Auf einer Aussichtsplattform lässt sich ein herrzlicher Ausblick über das Geotop genießen, sowie die teilweise lustigen Abfahrten beobachten. Der offizielle Saisonstart des Monte Kaolino ist jedes Jahr im April. Dann heißt es wieder: Mund zu und durch! Sand im Getriebe erwünscht.

Info: www.montekaolino.eu