Ein Dorf im Dorf

Ein Artikel von Verena Preining | 06.10.2026 - 11:49
Wunderlhaus aus Güssing (c) Gerhard Kisser Kopie.jpg

Das Wunderlhaus aus Güssing © Freilichtmuseum Gerersdorf/Gerhard Kisser

Bei einem Spaziergang durch das Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf,  hat man das Gefühl, durch ein altes südburgenländisches Dorf zu gehen. Wohnhäuser stehen neben Stadeln, Kellerstöckln, Presshäusern und Werkstätten. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein über viele Jahre gewachsenes Ensemble historischer Gebäude, die ursprünglich an verschiedenen Orten standen.

36 alte Gebäude wurden nach Gerersdorf gebracht und wieder aufgebaut. Den Grundstein dafür legte der Wiener Gerhard Kisser, der 1970 nach Gerersdorf kam und sich in ein altes, strohgedecktes Bauernhaus mit original erhaltener Rauchküche verliebte. Aus diesem ersten Gebäude entwickelte sich über die folgenden Jahrzehnte das heutige Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf.

Aus Holz, Lehm und Stroh

Die historischen Gebäude wurden überwiegend aus dem gebaut, was die Menschen vor Ort zur Verfügung hatten: Holz, Lehm und Stroh. Handbehauene Baumstämme bilden die Konstruktion, Lehm vermischt mit Strohhäcksel diente als Putz, und die Dächer wurden mit Roggenstroh gedeckt. Für die Menschen vergangener Generationen waren die Materialien Teil des Alltags. Das Museum zeigt damit ein Stück traditionelles Wissen über das Bauen mit regionalen Materialien. Der Lehm half gemeinsam mit dem Strohhäcksel dabei, die Gebäude zu schützen und das Raumklima auszugleichen. Das Strohdacht schützte vor Regen, wirkt dämmend und war als Nebenprodukt aus der Landwirtschaft unmittelbar verfügbar.

Schmiede, Blick in den Innenraum 20cm (c) Gerhard Kisser Kopie.jpg

Die Schmiede mit unterschiedlichen alten Gerätschaften © Freilichtmuseum Gerersdorf/Gerhard Kisser

Im Inneren der Gebäude finden sich Gebrauchsgegenstände, Werkzeuge, landwirtschaftliche Gerätschaften und historische Maschinen, die zeigen, wie die Menschen einst lebten und wirtschafteten. Die Häuser waren Wohnraum, Arbeitsplatz, Lager und Treffpunkt. Das Ensemble bewahrt einerseits die Gebäude selbst und andererseits ermöglicht es eine kleine Zeitreise in Brauchtum, Handwerk und die Lebensweise vergangener Zeiten.

Tag der offenen Tür

Im Oktober gibt es eine besondere Gelegenheit für einen Besuch des Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf. Am Tag der offenen Tür, dem Montag, 26. Oktober 2026 lädt das Museum zu einer kostenlosen Eintriff ab 10 Uhr ein. Es werden die Gebäude vorgestellt und ihre ursprüngliche Nutzung sowie die Lebensweise vergangener Generationen erklärt. Auch die Entstehung des Museums seit den 1970er-Jahren gehört zu einer Führung.

Auch außerhalb des Tag der offenen Tür lohnt sich der Besuch. Das Museum ist bis Ende Oktober geöffnet und lässt sich gemütlich auf eigene Faust erkunden. Wer danach eine Pause braucht, findet in der urigen Stadelschank Gelegenheit dazu und im Dorfladen werden regionale Produkte und Kunsthandwerk angeboten.

Info: www.freilichtmuseum-gerersdorf.at