Burg Strechau

Ein Artikel von REISEN Magazin/Gerald Stiptschitsch | 10.10.2023 - 09:18
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Burg Strechau ist nach der Riegersburg die zweitgrößte Festung der Steiermark © Gerald Stiptschitsch

Langgestreckt, von Wehrmauern umgeben, liegt die gut erhaltene Burg da. Dem war nicht immer so, denn während die Burg immer wieder erweitert und renoviert wurde, fand 1938 ein großzügiger Umbau für die Unterbringung einer NAPOLA-Schule und anschließend eines Kindererholungsheimes statt. Bis 1955 galt sie als Reichsbesitz und wurde nicht nur als Erholungsheim, sondern auch für die Unterbringung von Soldaten genutzt. Sie wurde regelrecht ausgeschlachtet und nur weniges, das nicht niet- und nagelfest war, blieb in der Burg. 1979 erfolgte schließlich der Verkauf der heruntergekommenen und fast gänzlich leeren Burg und wird seither durch Harald Boesch vorbildlich renoviert.

Versteckte Deckenmalereien

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Ein Schmuckstück der Burganlage ist der Innenhof im Renaissancestil © Gerald Stiptschitsch

Die Burg besitzt heute u. a. einen Torbau mit Torwärterhäuschen, einen Hunger- und Pulverturm sowie ein Kanonenrondell. Über eine Halsgrabenbrücke gelangt man zur Hauptburg, einer viergeschoßigen Anlage mit mittelalterlichem Turm, einem Renaissance-Arkadenhof, einer Kapelle und einem großen Rittersaal. 
Der Name Strechau wird erstmals 1074 genannt. Die teils romanische, teils gotische Wehranlage wird unter dem Geschlecht der Hoffmann, Führer der steirischen protestantischen Stände, Mitte des 16. Jh. zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Das zeigen auch der italienisch wirkende, renaissancehafte Arkadenhof und die berühmte manieristische Deckenmalerei (1579) des protestantischen Betraumes, der sogenannten „evangelischen Kapelle“. Letztere konnte dadurch erhalten bleiben, weil sie durch eine Zwischendecke versteckt blieb. Nur mühsam wurden die ursprünglichen Malereien von Schimmel und Schmutz befreit. Ein kleiner Teil des damaligen Zustandes blieb erhalten, um den Vergleich darzustellen (siehe Markierung im Bild). Burg Strechau, die zweitgrößte Burg der Steiermark, barg jahrelang den sagenhaften Schatz Kaiser Friedrich III. Ein Begriff der Kostbarkeit des kaiserlichen Hortes ist der sogenannte „Corvinus­becher“, der sich heute im niederösterreichischen Wiener Neustadt befindet.

Mehrmals ermordet

Noch eine weitere Begebenheit spielte sich auf der Burg Strechau ab. Als 1282 die Burg an die Habsburger kam, wurde der Besitz vom berühmt-berüchtigten und vielverleumdeten Abt Heinrich II. von Admont verwaltet. Er eroberte, konfiszierte, exekutierte und setzte gefangen, wie er es für richtig hielt und war rasch als Leuteschinder übelster Art verschrien. Er galt als böser Dämon, tyrannischer Treiber und des „Teufels Kaplan und Fensterbloch“. Schließlich erschoss ihn der Dienstmann Durinc Grießer. Laut der Chronik „Continuatio Vindobonensis“ wurde er von einem Pfeil angeschossen, mit dem Schwert durchbohrt, mit dem Messer aufgeschlitzt und schließlich geköpft. Im Blut schwimmend habe er so sein Leben beendet, er, der selbst so viele auf verschiedene Arten töten ließ.