Die Sage der Eisenerzer Höhe

Ein Artikel von Verena Preining | 30.09.2026 - 13:06
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Panoramablick auf die Hochschwab Alpen  © Christopher Moswitzer/Shutterstock

Wer von Hinterwildalpen nach Eisenerz wandert, ist unterwegs in einer Landschaft, in der sich Natur und alte Geschichten verbinden. Über Waldwege und Forststraßen geht es hinauf zur Eisenerzer Höhe, vorbei am sagenumwobenen Jungfernsprung und schließlich zum Marienkreuz auf rund 1.549 Metern Seehöhe. Das Kreuz wird auch „Rotes Kreuz“ genannt. Eine Sage erzählt von einer jungen Schwaigerin, einem verliebten Knappen und einer Begegnung in der Dunkelheit, die für beide tragisch endete.

Ein mutiger Knappe und ein großes Messer

Auf einer Alm in der Umgebung lebte einst eine junge Schwaigerin mit ihrer alten Mutter. Ihr Geliebter war ein junger Knappe, der am Erzberg arbeitete. Woche für Woche machte er sich von Eisenerz aus auf den Weg über das Gebirge, um seine Geliebte zu besuchen. Eines Tages fragte das Mädchen ihn, ob er keine Angst habe, nachts ganz allein durch die einsamen und unheimlichen Bergklüfte zu gehen. Der Knappe zeigte daraufhin kühn auf das große Messer an seinem Gürtel. Damit, so schien er zu meinen, könne ihm nichts geschehen.

In der darauffolgenden Woche war er wieder unterwegs zu seiner Liebsten. Als er das Marienkreuz erreichte, trat ihm plötzlich eine weiße Gestalt entgegen. Der Knappe erschrak. Doch anstatt davonzulaufen, zog er sein Messer und stieß damit auf die Erscheinung ein. Die Gestalt ging mit einem Aufschrei zu Boden. Der Knappe aber lief weiter zur Almhütte seiner Geliebten. Dort bemerkte er, dass das Mädchen nicht da war. Eine schreckliche Ahnung beschlich ihn: Konnte die weiße Gestalt etwa seine eigene Geliebte gewesen sein?

Eine tragische Verwechslung

Er eilte zurück zum Kreuz und fand das Mädchen tatsächlich schwer verletzt im Gras liegen. Sie lebte noch, starb jedoch einen Momente später an ihren Verletzungen. Der Knappe stellte sich am nächsten Tag freiwillig dem Gericht und bekannte, was geschehen war. Das Gericht sprach ihn von der Schuld an einem vorsätzlichen Mord frei, denn die Tat war aus dem Schrecken über die vermeintliche Erscheinung heraus geschehen.

Die Sage erzählt, dass der junge Mann den Tod seiner Geliebten nicht verwinden konnte. Aus Gram und Schmerz folgte er ihr bald darauf ins Grab. Das Marienkreuz blieb an seinem Platz. Noch lange wurde die Geschichte von den Einheimischen und Bergführern an jene weitergegeben, die auf ihrem Weg über die Eisenerzer Höhe vorbeikamen.

Auf den Spuren der Sage

Heute lässt sich der Schauplatz der Geschichte mit einer Bergwanderung verbinden. Die rund 16 Kilometer lange Strecke von Hinterwildalpen nach Eisenerz führt über die Eisenerzer Höhe und erreicht dabei etwa 1.549 m Seehöhe. Für die gesamte Tour sind rund sechs Stunden Gehzeit angegeben; mit etwa 835 Höhenmetern im Aufstieg gilt sie als mittelschwere Bergwanderung, für die Trittsicherheit und gute Kondition erforderlich sind.

Unterwegs wartet mit dem Jungfernsprung eine weitere sagenumwobene Felskluft. Nach dem Marienkreuz geht es über einen historischen, in den Fels geschlagenen Saumweg, den sogenannten Römerweg, weiter hinunter Richtung Eisenerz.

Info: www.outdooractive.com