Ausflug in die Seisenbergklamm

Ein Artikel von Verena Preining | 08.09.2026 - 08:22
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Das Wasser des Weissbachs schießt tosend über die Felsen © Karel Stipek/Shutterstock

Kühl und erfrischend ist es in der Klamm selbst an heißen Sommertagen. Es führt ein Weg über Holzstege und Treppen in die Schlucht hinein. Das Wasser des Weißbachs braust und hat sich über Jahrtausende seinen Weg durch den Kalkstein gebahnt. Heute ist der Weg gut ausgebaut und die einstündige Wanderung ist auch für Familien ein Erlebnis. Informationstafeln erzählen von der besonderen Natur des Schluchtwaldes und vom Klammgeist den Knechte dort einst gefunden haben.

„Holt’s mi aussa!“

In der Klamm gibt es einen dunkleren Abschnitt. Man kann sich gut vorstellen, dass die Menschen früher etwas Unheimliches vermuteten. Die sogenannte Dunkelklamm ist eng und das Licht dringt nur spärlich durch die Felswände hindurch. An Diesem Ort soll sich etwas zugetragen haben, das heute als "Sage vom Wurzelgeist" überliefert ist. Damals war die Seisenbergklamm noch kein Ausflugsziel. Sogenannte Triftknechte waren in der Schlucht unterwegs, um Holz, das mit Hilfe des Wassers ins Tal transportiert wurde, wieder in Bewegung zu bringen. Die Arbeit war gefährlich. Und immer wieder, so erzählt es die Sage, mischte sich in das Tosen des Wassers eine dumpfe Stimme: „Holt’s mi aussa, holt’s mi aussa!“ Darauf folgten Poltern und Rollen, bevor das Wasser noch wilder durch die Klamm schoss. Die Menschen waren überzeugt: Das ist der Klammgeist.

Die Holzknechte fanden einen großen Baumstrunk, der sich im wildesten Teil der Klamm, der heutigen Dunkelklamm, verfangen hatte. Doch dieser war ungewöhnlich: Seine armdicken, gekrümmten Wurzeln erinnerten eher an ein Lebewesen als an einen Baum. Die Männer konnten sich nicht an so einen Baumstamm erinnern und brauchten Tage, um ihn aus dem Wasser herauszuziehen. Beim nächsten Hochwasser wurde die Wurzel bis in die Nähe des Pfarrhofs geschwemmt. Der Pfarrer beauftragte seinen Knecht, das harte Holz zu zersägen. Vergeblich. Selbst mit mehreren Männern ließ sich die Wurzel nicht zerkleinern. Daraufhin besprengte der Pfarrer sie mit Weihwasser. Als die Männer am nächsten Morgen zurückkehrten, war das Holz verschwunden. Für die Menschen war die Sache damit klar: Die geheimnisvolle Wurzel musste der Wurzelgeist gewesen sein und das Weihwasser hatte ihn erlöst.

Ein Ausflug mit Geschichte

Ob der Wurzelgeist tatsächlich noch heute durch die Seisenbergklamm streift? Begegnungen sind jedenfalls nicht überliefert. Der Klammgeist gehört inzwischen fest zur Geschichte des Naturdenkmals und macht den Besuch besonders für Familien noch spannender. Wer die rund 600 m lange Klamm durchwandert, bekommt aber auch ohne Geisterbegegnung einiges geboten: tosende Wasserfälle, moosgrüne Felsen, enge Schluchten und die beeindruckende Kraft des Wassers.

Die Seisenbergklamm liegt in Weißbach bei Lofer und ist vom Ortszentrum aus gut erreichbar. Für den Besuch empfiehlt sich festes Schuhwerk, bei feuchtem Wetter ist Regenbekleidung zu empfehlen. Wer nach der Klamm noch weiterwandern möchte, kann den Weg durch den Wald bis in Richtung Hirschbichl fortsetzen.

Und wer in der Dunkelklamm plötzlich ein Poltern hört, sollte lauschen. Vielleicht lebt der Wurzelgeist ja bis zum heutigen Tage in der Seisenbergklamm.

Info: www.seisenbergklamm.eu