Wer sich nicht an den klassischen Apfelstrudel heranwagen möchte oder einfach eine köstliche Alternative sucht, liegt mit dem mühlviertler Apfelschlangl genau richtig. Diese unkompliziert zubereitete... Mehr lesen ...
Zwölf freistehende Pfosten trennen das Hauptschiff von den niedrigeren Seitenschiffen © Shutterstock/LEOCHEN66
Die Stabkirchen in Norwegen entstanden im 12. und 13. Jh., als sich das Christentum in Skandinavien verbreitete. Die Kirchen aus Holz verbinden den typischen Grundriss christlicher Kirchen mit der traditionellen Holzbautechnik der Wikinger, die stark an deren Schiffbau erinnert.
Beim Betreten der hölzernen Kirche in Borgund fällt auf, dass die Einrichtung sehr schlich gehalten ist. Es gibt weder Stühle noch aufwendige Dekorationen. Nur die Fassaden und Pfosten sind mit kunstvollen Holzschnitzereien verziert. Heute ist nur noch die Kanzel und der Altar erhalten. Das Inneren der Kirche erhellt etwas Licht, das durch die kleinen Fensterluken hineinfällt.
Die Stabkirche Borgund ist nicht die einzige ihrer Art, es gibt noch 27 weitere Kirchen aus Holz in Norwegen. Ursprünglich existierten zwischen 750 und 2000 Stabkirchen. Da diese Kirchen nur aus Holz gebaut wurden, brannten viele ab. Manche wurden im Laufe der Zeit abgebaut und durch andere Kirchen ersetzt, da sie als zu dunkel und klein empfunden wurden.
Präziser Bau aus Holz
Ein Skelettgerüst aus Pfosten, die ursprünglich direkt in den Boden geschlagen wurden, bildet die Grundlage einer Stabkirche. Im Inneren tragen weitere Pfosten das Dach, während massive Eckstützen die Außenwände stabilisieren. Rahmenhölzer, Knaggen und Andreaskreuze stärken die Konstruktion zusätzlich.
Später wurde die Bauweise verbessert. Die Pfosten wurden auf Steinfundamenten gesetzt, was die Stabilität deutlich erhöht hat. Häufig verzichtete man beim Bau ganz auf Nägel und nutzte stattdessen allein Holzverbindungen. Große Stabkirchen wie in Borgund hatten einen halb offenen, mit kleinen Säulen verzierten Laubgang auf der Außenseite. Dort legten die Gläubigen früher vor dem Kirchgang ihre Waffen ab.
Kunstvolle Holzschnitzereien
Die Kirche ist außen reicht geschmückt und am Westportal sind Kletterpflanzen und Drachen ins Holz geschnitzt © Shutterstock/imagoDens
Mit der Einführung des Christentums im 11. Jh. trafen in Norwegen altnordische Traditionen auf Einflüsse aus dem übrigen Europa. Besonders deutlich zeigt sich das an den Stabkirchen, die nicht nur durch ihre ungewöhnliche Bauweise, sondern auch mit ihren aufwendigen Holzschnitzereien beeindrucken.
An den Stabkirchen finden sich heidnische Motive wie Drachenköpfe auf den Dachfirsten – ähnlich wie die Schnitzereien an Wikingerschiffen – neben christlichen Symbolen wie Kreuzen . Die Verzierungen ziehen sich über Türen und Portale, von der Schwelle bis zu den Säulen. Die Tierornamente, kunstvolle Flechtmuster und Szenen aus nordischen Sagen spiegeln den Einfluss der Wikingerkultur wider, der noch bis ins 12. Jahrhundert präsent blieb. Erst später ergänzten pflanzliche Motive von Ranken und Blätter aus anderen europäischen Kunsttraditionen das Bild.
Warum Stabkirchen dort stehen, wo sie stehen
Gut sichtbar aus allen Richtungen wurden die Holzkirchen bewusst exponiert platziert © Shutterstock/Maarten Steunenberg
Viele Stabkirchen stehen an exponierten Plätzen. Die Wahl der Standorte war nicht zufällig, sondern hatte einerseits praktische und andererseits spirituelle Gründe. Stabkirchen dienten als Symbole für den Einzug des Christentums. Durch die Platzierung auf Hügeln oder großen freien Flächen signalisierten sie den Machtanspruch des neuen Glaubens über das Land.
Viele Kirchen wurden direkt auf oder neben heiligen Kultstätten errichtet, an denen sich die Menschen zuvor zur Anbetung unter freiem Himmel versammelt hatten. Diese Orte galten als spirituell. Der Bau einer Kirche an exakt dieser Stelle zeigt eine bewusste Überlagerung des alten Glaubens durch den neuen christlichen Glauben.
Stabkirchen können nicht als reine Importe des Christentums verstanden werden. Sie sind eine nordische Interpretation des kulturellen Wandels, bei dem heidnische Traditionen in einen christlichen Zusammenhang eingebunden wurden. Die Bauwerke waren ein Kompromiss zwischen der alten, hölzernen Tradition und der neuen, steinorientierten christlichen Kultur aus dem Süden.