Spuren der Kaufleute in den Hansestädten

Ein Artikel von Verena Preining | 02.09.2026 - 10:54
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Obertravebrücke in Lübeck aus hat man einen wunderschönen Blick auf die Uferpromenade des historischen Zentrums der Hansestadt  ©  olrat/Shutterstock

Wer heute durch eine Hansestadt spaziert, begegnet Geschichten eines mächtigen Bund norddeutscher Kaufleute. Die typische rote Backsteinarchitektur ist ein Zeitzeuge ihrer Handelsmacht, die über Jahrhunderte hinweg weite Teile Nordeuropas miteinander verbunden hat. Die Hanse entstand aus lockeren Gemeinschaften reisender Kaufleute entwickelte sich im Laufe der Zeit ein weit verzweigtes Netzwerk.

Als Kaufleute zu einer Macht wurden

Ursprünglich ging es darum gemeinsam sicherer zu handeln. Kaufleute schlossen sich zu Fahrtgemeinschaften zusammen, schützten sich vor Überfällen und versuchten, ihre wirtschaftlichen Interessen gegenüber anderen durchzusetzen. Mit der Zeit entstanden an wichtigen Handelsplätzen eigene Niederlassungen, die sogenannten Kontore. In Brügge, London, Bergen und Nowgorod konnten Händler Waren lagern, Geschäfte abschließen und eine sichere Unterkunft finden. Aus dem Kaufmannsnetzwerk wurde schließlich ein Städtebund. In seiner Blütezeit gehörten rund 200 Städte zur Hanse. Lübeck nahm dabei eine besondere Stellung ein und entwickelte sich zum Zentrum des Bundes. Der Handel brachte enormen Reichtum. Holz, Felle, Getreide und andere Rohstoffe gelangten aus dem Osten nach Westeuropa, während unter anderem Wein und Tuche in Richtung Ostsee transportiert wurden. Unterwegs waren die Waren vor allem auf der Kogge, dem typischen Handelsschiff der Hanse: ein geräumiges Schiff mit einem Mast und großem rechteckigem Segel. Die Städte gewannen wirtschaftliche und politische Macht, setzten Privilegien durch und konnten sogar Handelsblockaden verhängen oder Kriege führen. Auf den Hansetagen berieten ihre Vertreter über gemeinsame Interessen. Der erste Hansetag fand 1356 in Lübeck statt.

Von Bremen bis Stralsund

Zum entdecken bietet die Stadt Bremen einen passenden Ausgangspunkt. Sie war stark in den Handel auf der Nord-Süd-Route eingebunden und gehörte zu den bedeutenden Hansestädten. Von dort führt die Reise Richtung Ostsee nach Lübeck, Wismar, Rostock und Stralsund. In Lübeck wird die einstige Bedeutung der Hanse mit dem Holstentor deutlich. Es gilt sls Symbol für den Reichtum der Bürger und die Macht der Handelsstadt. Dahinter liegt eine Altstadt mit mittelalterlichen Gassen, prächtigen Backsteinbauten. Weiter geht es nach Wismar. Auch dort prägt die Backsteingotik das Stadtbild. Die „Alte Schwede“, ein Backsteinbau mit Stufengiebel erinnert an die wirtschaftliche Blüte der Stadt. In Rostock führt die Spur der Hanse ebenfalls über den Hafen. Die Stadt gehörte zu den wichtigen Handelsplätzen an der Ostsee. Anhand der Stadttore und Giebelhäuser kann man sich heute noch gut vorstellen wie Warenströme von Übersee das Leben der Stadt bestimmt haben. Zu den Handelsgütern gehörten auch Getreide, Fisch, Salz, Butter und Pökelfleisch. Den Abschluss bildet Stralsund. Die Stadt war schon früh Mitglied der Hanse und beeindruckt bis heute mit ihrer roten Backsteingotik.

Was von der Hanse geblieben ist

Die große Zeit der Hanse ging schließlich zu Ende. Neue Handelswege, die wachsende Macht der europäischen Staaten und die zunehmende Konkurrenz durch englische und niederländische Händler setzten dem Bündnis zu. 1669 fand der letzte Hansetag der alten Hanse statt. Viele Städte tragen bis heute den Namen Hansestadt und die alten Kaufmannshäuser und Häfen erinnern an die Zeit der norddeutschen Kaufleute.

Und die Hanse ist nicht nur Vergangenheit: 1980 gründete sich in Zwolle die „Neue Hanse“, ein moderner Städtebund, der die Verbindungen von damals aufgreift und den Austausch zwischen seinen Mitgliedsstädten fördert. Heute gehören ihm wieder rund 200 Städte aus zahlreichen Ländern an. Wer also durch Lübeck, Wismar, Rostock oder Stralsund schendert, entdeckt hinter den roten Backsteingiebeln die Geschichte der Handelsnetzwerke, die Europa einst über lange Zeit verbunden hat.

REISEN-Tipp: Bauernhofcafés

Kaffeepause mit Ostseeblick: Rund 90 Bauernhofcafés laden in der Region zu hausgemachtem Kuchen und frisch gebrühtem Kaffee ein. Viele Rezepte werden über Generationen weitergegeben, im Sommer können Besucher auf manchen Höfen sogar selbst Himbeeren und Erdbeeren pflücken. Unbedingt probieren: Rote Grütze aus regionalen Beeren, serviert mit Schlagobers oder Vanillesauce.