Ein pinkelnder Junge als Wahrzeichen

Ein Artikel von Marion Pertschy | 26.02.2019 - 14:18

Verschiedene Legenden ranken sich um die 61 cm große Bronzestatue, die in Brüssel eine Hausecke ziert. So erzählt eine Legende etwa, dass ein Junge das Vorbild für den berühmten "Manneken pis" gewesen sei, der zielsicher urinierend eine Fackel löschte, mit der feindliche Belagerer die Stadt in Brand stecken wollten. Andere wiederum meinen, dass ein Vater seinen Sohn in der Menschenmenge eines Volksfestes verlor und sich schwor, eine Statue an der Stelle zu errichten wenn er ihn lebend wiederfände – als er ihn einige Tage später pinkelnd wiederfand, errichtete am Fundort eine Statue in der selben Pose. Welche dieser Erzählungen nun stimmt, oder ob überhaupt eine davon ein Fünkchen Wahrheit enthält, lässt sich schwer sagen.

An der Ecke rue de l’Etuve/Stoofstraat, rue des Grands Carmes/Lievevrouwbroerstraat und rue du Chêne/Eikstraat steht die kleine Brunnenfigur nun seit dem Jahr 1619, als der
Bildhauer Jerome Duquesnoy sie für dreißig Rheindukaten im Auftrag des Brüsseler Magistrats fertigte. Sie steht in Brüssel für Anti-Konformismus, Widerstandsgeist und die demokratischen Werte der Belgier. Das Original wurde jedoch mehrmals gestohlen und deshalb schlussendlich durch eine Kopie aus dem Jahr 1965 ersetzt – die echte Rennaissance-Statue steht im Museum der Stadt Brüssel.  

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Die Statue der Stadt Brüssel wird zu feierlichen Anlässen verkleidet.
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Des Knaben neue Kleider

Eigentlich ist der kleine stämmige Juneg, der auch "le petit Julien" genannt wird, nackig, zu besonderen Anlässen wie Jubiläen und Festtagen wird er jedoch verkleidet. 1747 soll sogar König Ludwig XV. dem Knaben eine Gala-Uniform im Mini-Format gespendet haben. Heute kommen Kleiderspenden meist von Vereinen, um ihre Verbundenheit auszudrücken. Bei Fussball-Länderspielen trägt der kleine "pissende" Julien beispielsweise das Trikot der belgischen Nationalmannschaft. Im Museum kann man auch einige der Kostüme bewundern.