Matera ist Europas Kulturhauptstadt 2019

Ein Artikel von Marion Pertschy | 12.02.2019 - 14:57

Auf den Spuren der Sassi

Mehr als 50.000 Menschen strömten am 19. Jänner 2019 in die Straßen der italienischen Stadt, um den Beginn des Jahres als offizielle Kulturhauptstadt Europas zu feiern. Altertümliche Wohnbauten am Rande eines tiefen Tals, dem Tobel, Höhlensiedlungen an den Felsenhängen einer karstigen Hochebene und Dächer, die als Boden der darunter liegenden Gebäude dienen – all das prägt das Stadtbild von Matera.

Als in den 1950er Jahren, die Bewohner der berühmten Höhlensiedlungen, auch Sassi genannt, ihre Behausungen aus Renovierungsgründen verlassen und in modernere Viertel ziehen mussten, hätte wohl noch niemand gedacht, dass eben diese Sassi es unter anderem einmal sein würden, die der Stadt den begehrten Titel verschaffen. Bereits im Paläolithikum entstanden die ersten Höhlensiedlunge, die im Jahr 1993 in die World Heritage List der UNESCO aufgenommen wurden.

Die ersten Häuser, die in den Kalkarenit oder einheimisch auch Tuffstein gegraben wurden, ergänzten viele weitere bis ein Netz von Wohnhäuser und Gassen, die übereinander und ineinander verlaufen, entstand, das die Magie der Sassi ausmacht. Ganz gleich aus welchem Jahrhundert die einzelnen Häuser jedoch stammten, stellt die Stadt Matera doch ein Modell eines Lebens in Gleichgewicht mit der Natur und in einer klugen Nutzung der von ihr bereitgestellten Ressourcen dar.

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Bereits im Paläolithikum entstanden die ersten Höhlensiedlungen in Matera. © ermess/Shutterstock.com

Ein Jahr voller Vorhaben

Am 17. Oktober 2014 wurde Matera von Kultur- und Tourismusminister Dario Franceschini als eine der offiziellen Kulturhauptstädte 2019 ausgewählt.  Nur wenige Tage später, am 3. September 2014 wurde die Organisation „Matera 2019“ gegründet, die bis Ende 2022 die Umsetzung der Kulturstrategie über hat. Mit Hilfe von EU-Geldern soll die 60.000-Einwohner Stadt in diesem Jahr nicht nur kultureller Mittelpunkt Europas  werden, sondern stellt auch aktuelle Themen wie Klimawandel, Migration und Integration in den Mittelpunkt.  

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Ein Netz von schmalen Gassen, die ineinander und übereinander verlaufen, machen den Charme der Stadt aus. © ermess/Shutterstock.com

Inspiration für die Künste

Die süditalienische Stadt – einst als eine „nationale Schande“, heute auch als das „zweites Betlehem“ bezeichnet, diente im Laufe der Zeit zahlreichen Künstlern, Schriftstellern und Regiesseuren als Muse. Mel Gibson wählte Matera beispielsweise als Drehort für
„Die Passion Christi“ und auch „Das 1. Evangelium – Matthäus“ aus dem Jahr 1964 drehte Pier Paolo Pasolini hier. Daneben stellte es jedoch auch heute noch das Set für zahlreiche weitere Blockbuster wie Ben Hur (2016), Wonder Woman (2017) oder Maria Magdalena (2018) dar und sogar in Musikvideos etwa zu „Sun Goes Down“ von Robin Schulz (2014) und „Spit Out the Bone“ von Metallica (2016) spielt die Stadt eine Rolle.

Info: www.matera-basilicata2019.it/en

Eröffnungszeremonie des Jahres als Kulturhauptstadt

© Matera 2019