Im Dirndl-Land

Ein Artikel von Gerald Stiptschitsch | 15.05.2019 - 15:27

Wenn im Pielachtal vom „Dirndl“ die Rede ist, dann ist damit nicht die regionale Volkstracht gemeint, sondern die Kornelkirsche (Cornus mas), die die Südhänge des Tales „bevölkert“ und im Frühjahr mit ihren gelb gefärbten Blüten eine erste Nektarquelle für Insekten darstellt. Wesentlich mehr Bedeutung haben jedoch die Früchte.

Für Magen und zur Immunstärkung

Der bis 8 m hohe Großstrauch, auf gut pielachtalerisch einfach als „Dirndlstaudn“ bezeichnet, kann sich sogar zu einem kleinen Baum entwickeln und ist prägendes Element der vielfältigen Kulturlandschaft des Pielachtales. Er erreicht mit bis zu 450 Jahren ein fast biblisches Alter und genießt in der Region hohe Wertschätzung. Begehrt sind die Gehölze wegen ihrer roten bis fast schwarzen, olivenförmigen Früchte, die im Spätsommer reifen und sehr gesund sind.

Hildegard von Bingen machte vor mehr als 800 Jahren auf die Heilkraft der Kornelkirschen aufmerksam. Ein Bad aus Rinde, Holz und Blättern soll gegen Gicht helfen, die Frucht dem Magen gut tun. Bemerkenswert sind der hohe Gehalt der Dirndlfrüchte an Vitamin C, andere Inhaltsstoffe wie zum Beispiel die Tannine und ihre Eigenschaft als „Radikalfänger“. Die Früchte sollen u. a. bei Entzündung des Dickdarms und ein Bad aus Rinde und Blättern gegen Gicht helfen.

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Die Früchte sind im Pielachtal nicht nur von Menschen begehrt, sondern auch von ­Vogelarten wie Kernbeißer, Dompfaff, Kleiber und Eichel­häher sowie Haselmaus und ­Siebenschläfer.
© Gerald Stiptschitsch

Bekannt waren die Dirndln bereits bei den alten Griechen. Sie legten die unreifen Früchte sauer ein. Die Rinde verwendeten sie zum Färben und Gerben. Auch das Holz des Dirndlstrauches ist einzigartig. Aufgrund des langsamen Wachstums ist das Holz derart hart, dass es im Wasser nicht schwimmt, sondern untergeht. Früher wurde es für Speere und später für Werkzeugstiele verwendet.

Die vollreifen Dirndln mit dem typischen süß-gerbsäuerlichen Fruchtgeschmack werden zu Marmelade, Gelee, Eis, Creme-Honig, Kompott, Sirup, Likör und Mus verarbeitet, sind Zutaten in Pralinen, Tee, Torte, Zucker sowie Bier und Bestandteil des klassischen Original Pielachtaler-Dirndlbrandes.

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