Tod im Morgennebel

Ein Artikel von Gerald Stiptschitsch | 16.05.2019 - 13:30

Es war ein nebeliger Oktobermorgen im Jahr 1532, als ein erbitterter Kampf der militärischen Reichstruppen gegen die Akindschi im Raum Leobersdorf stattfand. Die auf Raub und Sklavenhandel spezialisierten Reitertruppen der Osmanen hatten nur Plünderungen im Sinn, bei der Schlacht konnte jedoch eine kleine Gruppe Reiter entkommen, die sich bis in die Nähe von Seebenstein durchschlugen.

Dort hatten sie aber nicht mit der Kampfbereitschaft wütender Bauern gerechnet, die zuvor einen Bauernhof abfackelten und dessen Bewohner im brennenden Gebäude schreiend ums Leben kamen. Die Bauern umzingelten die Akindschi und drängten sie weit in den Wald hinein, bis zu einer Klippe. Im Morgennebel sahen die Reiter den steilen Abhang zu spät und stürzten ohne Ausnahme in den Tod.

Passend für die Landschaft gemacht

So berichtet jedenfalls eine von zwei ähnlichen Sagen, die sich hier zur Zeit der Türkenbelagerung abgespielt haben soll und dem Felsen und der späteren Ruine ihren Namen „Türkensturz“ gab. Für keine der beiden Geschichten gibt es allerdings einen historischen Nachweis.

Wer auf der Südautobahn zwischen Wiener Neustadt und Wechsel unterwegs ist, kennt sie jedenfalls – die markante Ruine, die über einer 610 m abfallenden steilen Felswand thront. Die Ruine stammt von einer ehemaligen Burg aus dem Mittelalter – könnte man meinen. Doch die Ruinen sind schon als Ruinen gebaut worden. In der Zeit der Romantik dachte Fürst Johann Joseph I. von Liechtenstein, dass hier eine Ruine gut in die Landschaft passen könnte und ließ diese 1824 aus landschaftlich-ästhetischen Gründen errichten – auch zur Eindämmung der damaligen Arbeitslosigkeit.

Eine solche Scheinruine war zu dieser Zeit durchaus nicht ungewöhnlich. Ausgehend vom im 18. Jh. sich entwickelnden englischen Landschaftsgarten wurde in der Romantik damit begonnen, mittels der Gestaltung von Aussichtspunkten oder künstlich geschaffenen Ruinen eine Landschaft aktiv derart zu gestalten, dass sie den Vorstellungen der „Natur“-begeisterten Besuchern entsprach. Diese Landschaft ist heute Teil des Naturparks Seebenstein-Türkensturz und Ziel unserer Wanderung.

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