Während in 1,2 km Tiefe der neue Tunnel Züge durch die Koralm führt und das Kärntner Lavanttal mit der Weststeiermark verbindet, wandern wir an der Oberfläche über die winterliche Landschaft auf den... Mehr lesen ...
Die Klagenfurter Hütte liegt auf der Matschacher Alm in den Karawanken – sie ist eine jener Hütten, für die der Alpenverein Ende 2025 einen neuen Pächter suchen musste © Harald Florian/Shutterstock
Wer in den Bergen unterwegs ist, weiß den Wert einer Schutzhütte zu schätzen. Nach Stunden des Aufstiegs tut die Aussicht auf ein erholsames Plätzchen gut. Ob erschöpft, durchgeschwitzt, von der Sonne geplagt oder vom Regen durchnässt – ein freundlicher Hüttenwirt, der uns mit einem kühlen Getränk empfängt und eine deftige Stärkung bereithält, lässt die Stimmung steigen. Der Name „Schutzhütte“ kommt tatsächlich von der Schutzfunktion gegenüber Niederschlägen, Kälte und Unwetter. Der sichere Rückzugsort ist essenziell, gerade wenn das Wetter rasch umschlägt. Auch die Versorgung mit Mahlzeiten und Getränken und der soziale Austausch spielten mit der Zunahme des touristischen Angebots eine immer größere Rolle. Darüber hinaus erfüllen Hütten die Funktion der Orientierung und Sicherheit, als Wegpunkte und Meldestellen für alpine Notfälle sowie des Naturschutzes.
Seit mehr als 150 Jahren
Österreich verfügt über eine sehr gute Hütten-Infrastruktur. Seit man im 19. Jh. begonnen hat, die alpine Welt zu erkunden, sind zahlreiche Schutzhütten an herrlichen Plätzen entstanden – es sollen mehr als 900 sein, was der international höchsten Dichte entsprechen dürfte. Im Jahr 1873 wurde der Österreichische Alpenverein gegründet. Seine Mitglieder haben, großteils ehrenamtlich, sowohl den Bau von zahlreichen Hütten als auch die Errichtung und Erhaltung von Wanderwegen vorangetrieben – bis heute. Auch die Naturfreunde und der Österreichische Touristenklub gestalten Österreichs alpine Infrastruktur.
Der Wandertourismus prägt viele Regionen und ist häufig nicht nur Hobby, sondern auch Beruf – z. B. als Mitarbeiter oder Pächter auf einer Hütte. Die Herausforderungen sind etwa die Notwendigkeit, teure Sanierungsarbeiten und demenstprechend hohe Investitionen zu tätigen, Auswirkungen des Klimawandels auf die Trinkwassersituation auf den Hütten oder die Schwierigkeit, Arbeitskräfte an derart abgelegenen Arbeitsorten zu finden.
Jeder vierte bleibt nur eine Saison
Wer die Herausforderung wagt, wird romantische Vorstellungen schnell ablegen: lange Arbeitszeiten ohne Ruhetage oder Wochenenden, der logistische Aufwand der Versorgung mittels Hubschrauber oder Materialseilbahn und das nötige Anpacken in allen Bereichen sind die Realität. Dem gegenüber stehen gesellige Abende, der Zusammenhalt im Team oder ein Nachmittag, an dem plötzlich alle Tagesgäste weg sind und man einfach den Sonnenuntergang genießen kann.
Jeder vierte Pächter bleibt laut Österreichischem Alpenverein nur eine Saison. Daher soll Interessierten ein umfassendes Schulungsangebot zur Verfügung gestellt werden. Es gibt immer wieder Hütten, für die kein Bewirtschafter gefunden wird. Eine Folge davon ist, dass manche schwierige Routen aufgrund der fehlenden Übernachtungsmöglichkeiten bzw. Infrastruktur nicht mehr begangen werden können. Man versucht außerdem dem Hüttensterben durch neue Konzepte, wie Team-Bewirtschaftungen oder dem Einrichten von Selbstversorgerhütten, entgegenzuwirken.
Info: Hüttenpacht Alpenverein, Hüttenpacht Naturfreunde, Hüttenpacht ÖTK