Eine Sonnenfinsternis ist ein Erlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Eindrucksvoll ist der Moment, wenn Sonne, Mond und Erde sich einer geraden Linie annähern. Dabei kommt das gar nicht so... Mehr lesen ...
Im wahrsten Sinne „hundemüde“ sind auch unsere Vierbeiner an den Hundstagen © sophiecat/Shutterstock
Im Hochsommer steht die Luft, die Straßen flimmern und die Menschen suchen Abkühlung. Auch Hunde liegen dann am liebsten faul im Schatten. Die offiziellen „Hundstage“ dauern von 23. Juli bis 23. August – allerdings hat der Ursprung dieser Bezeichnung nicht mit den aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen erschöpften Hunden zu tun.
Sirius kommt zurück
Als hellster Stern am Nachthimmel gilt Sirius. Er verschwindet über Mitteleuropa allerdings im Frühling und ist bis zum späten Sommer nicht sichtbar. Zu seinem sogenannten „heliakischen Aufgang“ kann man ihn dann erstmals wieder kurz vor Sonnenaufgang am Morgenhimmel erblicken. Als wesentlicher Bestandteil des Sternbilds „Großer Hund“ gilt Sirius auch als „Hundsstern“ – das Sternbild ist im Sommer erst nach der Rückkehr von Sirius wieder komplett am Nachthimmel zu sehen.
Dieser Zeitpunkt hat historisch den Ausdruck Hundstage geprägt, denn die Phase der Rückkehr von Sirius war zur Zeit der Griechen und Römer mit Ende Juli datiert. Allerdings hat sich durch die Änderung der Ausrichtung unserer Erdachse (die sogenannte Präzession) die Sichtbarkeit von Sirius verändert – astronomisch korrekt beginnen die Hundstage heute erst mit Ende August, also fast ein Monat später. Der Begriff stammt aus der Antike und passt heute astronomisch gesehen nicht mehr exakt. Die Römer benannten die Tage, als Sirius wieder erschien, als „dies caniculares“.
Das Sternbild Großer Hund (Canis Major) beheimatet Sirius, den hellsten Stern am Nachthimmel – er ist 8,6 Lichtjahre von uns entfernt © Iryna Shek/Shutterstock
Lebendige Sprache
Diese Phase fiel mit Juli bis August in Mitteleuropa aber schon damals mit der heißesten Zeit des Jahres zusammen. Aus dem lateinischen „dies caniculares“ sind dann die Hundstage entstanden – und im Deutschen schon seit dem Mittelalter belegt. Die Idee hat sich aber auch über den deutschen Sprachraum hinaus verbreitet: Wir kennen englische „dog days“, niederländische „hondsdagen“, dänische „hundedage“ und schwedische „hunddagar“. In den romanischen Sprachen findet sich der lateinische Ursprung wieder: französische „canicule“, italienische „canicola“ sowie spanische und portugiesische „canícula“ sind heute übliche Bezeichnungen für die heißesten Tage des Sommers bzw. extreme Hitzeperioden.
In Österreich erinnert der Begriff „Hundstage“ an den preisgekrönten Filmklassiker von Ulrich Seidl Anfang der 2000er-Jahre. Er hat diese heißen Tage als Atmosphäre für seinen Spielfilm gewählt und gibt anhand von mehreren, voneinander unabhängigen Geschichten Einblick in Einfamilienhaussiedlungen, Industriegebiete und Supermärkte der Wiener Außenbezirke. Das Leben erscheint trist und kahl – dennoch bricht sozusagen der „Asphalt der österreichischen Seele“ auf und punktet mit trockenem Humor. Nach und nach verschmelzen manche der Geschichten miteinander. Viele der heute bekannten österreichischen Schauspieler waren damals in ihren ersten Rollen zu sehen – ein Klassiker, nicht nur für die Hundstage.