Wenn die Alpen im Herbst leuchten

Ein Artikel von Verena Preining | 05.10.2026 - 11:13
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Die Lärche ist der einzige heimische Nadelbaum, der im Winter seine Nadeln abwirft und sich gelb färbt © Lasse Johansson/Shutterstock

Der Herbst birgt eine besondere Ruhe in den Bergen. Die Luft wird klarer, die Tage kürzer und auf den ersten Gipfeln kann bereits Schnee liegen. Die Wälder verändern sich und zwischen den dunklen Nadelbäumen leuchten die Lärchen plötzlich in kräftigem Gelb und Gold. Für einige Wochen verwandeln sie ganze Berghänge in warme Farbtöne und verleihen der alpinen Landschaft eine beinahe märchenhafte Atmosphäre.

Wenn die Lärchen zu Gold werden

Die Europäische Lärche nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Als einziger heimischer Nadelbaum wirft sie im Herbst ihre Nadeln ab. Zuvor verfärben sich diese ab etwa Mitte Oktober von Grün über Gelb bis hin zu Orange. Treffen die Strahlen der tief stehenden Herbstsonne auf die Baumkronen, scheint es, als würden die Wälder von innen heraus leuchten. Ein Ort um dieses Naturschauspiel zu beaobachten ist auf dem Mieminger Plateau in Tirol. Die weitläufige Kulturlandschaft mit ihren alten Lärchenwiesen gehört zu den schönsten Herbstlandschaften der Region.

Eine Wanderung zur Stöttlalm verbindet das Farbenspiel der Bäume mit weiten Ausblicken auf die umliegenden Berge. Auch in den Hohen Tauern bilden die Lärchenwälder einen Kontrast zu den bereits verschneiten Gipfeln der Hochgebirgswelt. Wer es ruhiger mag, findet im Silbertal im Montafon ursprüngliche alpine Landschaften mit eindrucksvollen Lärchenbeständen. Gerade an klaren Herbsttagen entsteht hier eine besondere Stimmung, wenn das erste Sonnenlicht zwischen den Bäumen hindurchfällt und die Landschaft in warme Farben taucht.

Wenn die Berge zu glühen beginnen

Doch das Farbenspiel des Herbstes endet nicht mit dem goldenen Nachmittag. Sinkt die Sonne tiefer, beginnt das zweite Naturschauspiel. Die letzten Sonnenstrahlen treffen auf die Gipfel und lassen Felswände und Bergspitzen in Orange, Rot oder Rosa erscheinen. Das sogenannte Alpenglühen setzt damit einen farbintensiven Schlusspunkt unter den Tag. Verantwortlich dafür ist das Licht der tief stehenden Sonne. Während kurzwelliges blaues Licht stärker in der Atmosphäre gestreut wird, erreichen die langwelligen roten und orangefarbenen Lichtanteile die Berge. Die Felswände werden so für kurze Zeit zur Projektionsfläche des Abendlichts. Besonders schön wird es, wenn Lärchengold und Alpenglühen gleichzeitig zu sehen sind. Dann liegen die goldenen Wälder im warmen Licht, während darüber die Gipfel bereits in kräftigen Rot- und Rosatönen leuchten.

Einen perfekten Ort bietet der Astbergsee am Wilden Kaiser. Der See spiegelt die imposante Bergkulisse und schafft damit gleich mehrere Ebenen für das herbstliche Farbenspiel. Auch im Nationalpark Hohe Tauern kann dieses Zusammenspiel beobachtet werden. Wenn die letzten Sonnenstrahlen die hohen Gipfel erreichen, während in den tieferen Lagen die Lärchen golden leuchten, zeigt sich die ganze Bandbreite des alpinen Herbstes. Für Fotografen lohnt es sich dabei, nicht erst zum Sonnenuntergang aufzubrechen. Das warme Nachmittagslicht bringt die Lärchen besonders schön zur Geltung, während das eigentliche Alpenglühen oft erst nach dem Sonnenuntergang seinen intensivsten Moment erreicht. Wer also auf der Suche nach dem perfekten Herbstmotiv ist, sollte ein wenig Zeit mitbringen.

REISEN-TIPP: Für das Zusammenspiel aus goldenem Lärchenwald und leuchtenden Gipfeln lohnt sich eine Herbstwanderung besonders am späten Nachmittag. Klare Tage mit guter Fernsicht bieten die besten Voraussetzungen – und nach Sonnenuntergang heißt es: noch ein wenig bleiben und beobachten, wie sich die Farben langsam aus den Bergen zurückziehen.