Ausgrabungen lüften weitere Geheimnisse im Dunkelsteinerwald

Ein Artikel von Sabrina Bühn | 25.03.2020 - 07:30

Der Dunkelsteinerwald erinnert schon von seinem Namen her an düstere Märchenerzählungen oder Mythen und Legenden, wonach hier Elfen, Zwerge oder Irrlichter hausen könnten, die Wanderer in die Verirrung locken. Doch der Dunkelsteinerwald in Niederösterreich hütet ein ganz anderes Geheimnis.

Ein Himmelsteich taucht auf

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© Oleksandra Darchi/Shutterstock.com

Kürzlich wurde ein weiterer, bislang nicht kartierter, „Himmelsteich“ entdeckt – und an seinen Ufern uralte römische Relikte! Doch Moment, schon wieder so ein mystischer Name: Himmelsteich. Was es damit auf sich hat, liegt eigentlich schon im Namen selbst. Nein, der Teich ist weder himmlisch (obwohl: gewissermaßen stimmt das schon, wenn man einsame, idyllische Orte mit dem Adjektiv „himmlisch“ versehen will), noch vom Himmel gefallen. Wobei auch hier Letzteres wiederum nicht zur Gänze falsch wäre… Sie merken schon, die Wörtlichkeit hat es in sich! Himmelsteiche kommen immer wieder überall vor und bezeichnen einen Wasserkörper, der von keinem anderen Zulauf gespeist ist, als dem Regen, der „vom Himmel fällt“ und eventuellem Grundwasser, das am Grund austritt und den See so mitspeist. Ein Himmelsteich ist also so gesehen sehr wohl vom Himmel geschickt. Wie gesagt, diese ökologische Besonderheit ist immer wieder an verschiedensten Orten zu finden. Der eigentlich spektakuläre Fund ist ein ganz anderer:

Siedlungen aus dem Mittelalter

Dass durch diese Gegend einstige Römerstraßen verliefen, ist schon länger bekannt, doch nun wurden entlang des Ufers dieses Himmelsteichs Spuren einer Siedlung aus dem Mitterlalter entdeckt, samt Steinbrunnen und mehr. Ein weiteres Puzzleteil für die Geschichte rund um den Dunkelsteinerwald scheint entdeckt worden zu sein. Die Archäologen, die sich derzeit dort mit den weiteren Ausgrabungen beschäftigen, die uns zu neuen Erkenntnissen führen werden, warnen aber Neugierige davor, die Stätte jetzt selbst bestaunen zu wollen: „Wir müssen und wollen den genauen Ort noch geheim halten. Denn wir sind mitten in den Ausgrabungen. Diese sollen jetzt im Frühjahr intensiviert werden.“ Wer sich trotzdem auf eigene Faust aufmacht römische oder mittelalterliche Relikte auszugraben, der kann hohe Geldstrafen erwarten.

Römischer Strategiepunkt

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Die alten Infrastrukturen der Römer sind teilweise noch erstaunlich gut erhalten © Gerald Stiptschitsch

Schon weit vor dem 14. Jahrhundert, aus dem die aktuellen Funde stammen, dürften hier allerdings schon Römer gesiedelt haben. Die ganze Region um den Dunkelsteinerwald hatte damals eine große handelsstrategische Bedeutung, denn die Donau fließt hier entlang und bildete die Nordgrenzen des damaligen Römischen Reiches. Von den zahlreichen Römerwegen ist heute z. B. noch eine Brücke aus dem dritten oder vierten Jahrhundert n. Chr. erhalten. Sie kann über offizielle Wanderwege erreicht und besichtigt werden und dient als ein Relikt der Zeit, als der Dunkelsteinerwald einer der wichtigsten Infrakstrukturknotenpunkte der alten Hochkultur war.

Es bleibt spannend, welche weiteren historischen Hintergründe um die Region Dunkelsteinerwald noch gelüftet werden im Zuge der Ausgrabungen.