Hinter den Kulissen der Müllabfuhr

Ein Artikel von MA 48/Monika Stroj | 02.05.2026 - 07:55
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Wien gilt als internationales Vorbild, was die Behandlung von Abfällen angeht © Simlinger/Shutterstock

So sehr Kinder eine große Anziehung für Fahrzeuge der Müllabfuhr verspüren, sorgen diese bei Erwachsenen im morgendlichen, städtischen Berufsverkehr auch oft für Unmut. Wir alle brauchen sie allerdings für ein geordnetes – und v. a. sauberes – Zusammenleben. Unvorstellbar, wenn die in der Bundeshauptstadt liebevoll genannten, orangenen „48er“ einmal für ein paar Tage blau machen würden. In Wien kann man alles rund um Kompost und Müllverbrennung von April bis Oktober im Rahmen von kostenlosen Führungen besichtigen – dabei lässt sich bestimmt auch der ein oder andere Müll-Mythos aufklären.

Internationales Vorbild

Die Wiener Abfallwirtschaft gilt tatsächlich als internationales Vorzeigemodell, das laufend von Experten aus aller Welt besichtigt wird – der Blick hinter die Kulissen ist auch für die lokale Bevölkerung spannend. So kann man an einer Rundfahrt auf der begrünten Deponie Rautenweg im 22. Bezirk teilnehmen und Wissenswertes über die umweltgerechte Abfallbehandlung erfahren. Wer schon einmal am Stadtwanderweg 10 (Franz-Karl-Effenberg-Wanderweg) unterwegs war, ist direkt an der Deponie vorbeigekommen.

Wie eine Mülldeponie funktioniert und wie man saubere Energie aus Mist herstellen kann, wird bei der Rundfahrt mit dem strombetriebenen „Tatzelwurm“ erkundet. Grundwasserschutz, alternative Energieträger und Deponiegas zur Stromerzeugung bzw. Nahwärme und Photovoltaik werden dabei thematisiert. Die Deponie am Rautenweg spart durch zahlreiche Maßnahmen ca. 2.200 t CO2 pro Jahr ein. Zum Abschluss kann man noch einen Spaziergang auf den „Beag aus Mist“ machen und den Blick über die Donaustadt genießen. Beim Besuch der begrünten Deponie trifft man mit etwas Glück auch auf die Pinzgauer Ziegen, die hier seit Anfang der 1990er-Jahre leben. Außerdem gibt es in der Erlebniswelt „Mistopia“ im „House of Mist“ Rätsel zu lösen – ideal für Familien bzw. Kinder von 10 bis 13 Jahren.

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Die begrünte Mülldeponie Rautenweg am Stadtrand kann man besichtigen und trifft dort mit etwas Glück sogar auf Ziegen © Simlinger/Shutterstock

Umweltgerechte Abfallbehandlung

Europas größtes Kompostwerk befindet sich im selben Bezirk, aber viel näher an der Donau gelegen in der Lobau. An ausgewählten Freitagen und Samstagen im Mai, September und Oktober ist es möglich, die Anlage zu besichtigen – dafür kann man sich online anmelden. Der 1-stündige Rundgang erfordert festes, geschlossenes Schuhwerk und ist für Teilnehmer ab 8 Jahren möglich. Dabei wird das Kompostwerk erkundet, in dem die Bioabfälle aus den Biotonnen, von den Mistplätzen und aus den Wiener Stadtgärten zu torffreier Blumenerde und Komposterde verarbeitet werden. Von der Anlieferung bis zur Qualitätskontrolle bekommt man dabei einen Einblick in die mechanische Abfallaufbereitung und den Rotteprozess. Nach Möglichkeit kann man im Rahmen der Besichtigung vom Aussichtsturm das Gelände und die Lobau überblicken.

Jeden ersten Samstag im Monat öffnet um 10 Uhr die Müllverbrennungsanlage Pfaffenau ihre Pforten für Besucher. Sie befindet sich in Simmering, für den 1-stündigen Rundgang sind feste, geschlossene Schuhe erforderlich. Aus dem Müll wird dort Strom und Fernwärme, nach einem kurzen Film besichtigt man die Anlieferebene und den Müllbunker. Asche und Schlacke, die hier im Zuge der Verbrennung entstehen, werden wiederum am Rautenweg deponiert.

Info: Besichtigung der Wiener Abfallbehandlungsanlagen