Sakrale Klänge aus aller Welt

Ein Artikel von Verena Preining | 03.08.2026 - 13:03

Vier außergewöhnliche Klangwelten zeigen, wie unterschiedlich sakrale Musik rund um den Globus erlebt werden kann,  von den Kapellen Wiens über ein spanisches Benediktinerkloster bis zu den Tempeln Japans und den verwinkelten Gassen von Fès in Marokko.

Wiener Sängerknaben

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Die Wiener Sängerknaben tragen die Tradition der sakralen Habsburger Kilchenmusik in die Gegenwart  © Ferenc Szelepcsenyi/Shutterstock

Die Wiener Sängerknaben gehören zu einem der berühmtensten Knabenchöre weltweit. Seit Kaiser Maximilian I. den Knabenchor 1498 gründete, gehört die Pflege sakraler Musik zu seinen wichtigsten Aufgaben. Über Jahrhunderte hinweg erklangen ihre hellen Stimmen bei Messen und kirchlichen Feiern der Habsburger Monarchie. Heute gestalten die Sängerknaben von Mitte September bis Ende Juni jeden Sonntag gemeinsam mit Mitgliedern der  Philharmoniker und dem Herrenchor der Staatsoper die heilige Messe in der Hofburgkapelle.

Neben den Gottesdiensten tritt der Chor regelmäßig im MuTh im Augarten sowie bei Kirchenkonzerten im Stephansdom und auf internationalen Tourneen auf. Heute singen rund 94 Knaben aus 19 verschiedenen Ländern in vier Chören, die nach den großen österreichischen Komponisten Bruckner, Haydn, Mozart und Schubert benannt sind. Gemeinsam absolvieren sie jährlich etwa 300 Auftritte auf mehreren Kontinenten und tragen die Wiener Tradition geistlicher Chormusik in die ganze Welt.
Auch auf Tonträgern haben die Wiener Sängerknaben ein umfangreiches sakrales Repertoire hinterlassen. Alben wie Sacred Songs oder Lieder für Maria versammeln Meisterwerke von der Renaissance bis zur Romantik.

Die Mönche von Santo Domingo de Silos, Spanien

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Der doppelstöckige, romanische Kreuzgang (Innenhof) des Klosters gilt als eines der bedeutendsten Meisterwerke der europäischen Kunstgeschichte © WINDCOLORS/Shutterstock

Tief in der kastilischen Landschaft der Provinz Burgos liegt die Benediktinerabtei Santo Domingo de Silos. An diesem Ort erklingen seit dem 11. Jh. gregorianische Gesänge, die den  den Tagesrhythmus der Mönche bestimmen. Ursprünglich waren die Gesänge Gebete, die zu einer weltweit bekannten sakralen Musik entwickelten. Den internationalen Durchbruch brachte 1994 das Album Chant. Die Aufnahmen waren nie für den Massenmarkt gedacht. Dennoch wurde die Veröffentlichung zu großem Erfolg. In einer Zeit zunehmender Reizüberflutung mochten viele Menschen die schlichten lateinischen Melodien.

Besonders eindrucksvoll sind Stücke wie Puer Natus Est Nobis, Os Iusti oder das tief bewegende Media Vita In Morte Sumus. Anders als professionelle Konzertensembles verstehen die Mönche ihren Gesang jedoch als Teil ihres spirituellen Lebens, nicht als Bühnenkunst. Wer die Abtei besucht, erlebt das romanische Kloster und  die Gesänge der Mönche, deren Klang seit Jahrhunderten nahezu unverändert weiterlebt. Wenn sich die Stimmen der Mönche im Kreuzgang und in der Klosterkirche entfalten, scheint die Zeit für einen Moment stillzustehen.

Taiko-Trommler, Japan

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Prachtvolle Parade der Sansa-Taiko-Trommler beim Morioka Sansa Odori Festival © Shawn.ccf/Shutterstock

Seit Jahrhunderten begleiten die großen Röhrentrommeln religiöse Zeremonien, Tempelfeste und rituelle Feiern. Ihr tiefer, vibrierender Ton gilt als Stimme der Natur und als Verbindung zwischen der Welt der Menschen und den japanischen Naturgöttern. Der Ursprung der Taiko reicht weit in die Frühgeschichte Japans zurück. Einer Legende zufolge lockte der rhythmische Klang einer Trommel die Sonnengöttin Amaterasu aus ihrer Höhle, in die sie sich aus Zorn zurückgezogen hatte. Erst als sie hervorkam, kehrte das Licht in die Welt zurück. Bis heute wird Taiko deshalb mit spiritueller Reinigung verbunden. 

Beim traditionelle Taiko-Spiel verbinden die trommler kräftige, präzise Bewegungen mit Atmung und Konzentration. Jeder Schlag folgt einem festen Rhythmus, der als Spiegel des Herzschlags verstanden wird. Besonders beim Kumi-Taiko, dem gemeinsamen Trommeln mehrerer Spieler, entsteht eine beeindruckende Einheit von Körper, Geist und Klang, die  meditative Züge annimmt. Berühmt wurde diese Kunstform durch Ensembles wie Kodo, Yamato oder Kokubu, die die jahrhundertealte Tradition auf internationale Bühnen gebracht haben. 

Fès Festival, Marokko

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Ein vielfältiges Festival der sakralen Musik aus unterschiedlichen Religionen und Kulturen © Abdelmjid Rizkou/Shutterstock

Wenn sich in der Königsstadt Fès der Ruf des Muezzins mit Sufi-Gesängen, Gospelchören und orientalischen Melodien verbindet, entsteht eine einzigartige Klangwelt. Das Fès Festival of World Sacred Music wurde 1994 gegründet, um durch Musik Brücken zwischen Religionen und Kulturen zu bauen. Auf dem Festival begegnen sich marokkanische Sufi-Bruderschaften, türkische Derwisch-Ensembles, christliche Chöre, jüdisch-sephardische Musiker sowie Künstler aus Indien, Persien oder Kambodscha. Anstatt religiöse Traditionen voneinander zu trennen, stellt das Festival ihre gemeinsamen spirituellen Wurzeln in den Mittelpunkt. 

Die großen Abendkonzerte finden vor der monumentalen Kulisse von Bab Al Makina, dem ehemaligen Paradeplatz des königlichen Palastes, statt. Kleinere Aufführungen erklingen in den Jnan-Sbil-Gärten oder in den Innenhöfen alter Paläste und Riads. Neben den Konzerten gehört auch das Fès Forum zum Festival. Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler diskutieren über Spiritualität, Kunst und gesellschaftliche Fragen und erweitern das musikalische Erlebnis um eine kulturelle und philosophische Dimension.