Bei den Internationalen Heißluftballonwochen sind ca. 50 Teams aus über 15 Nationen vertreten, jedes Jahr warten neben den vielen Wettbewerbs- auch Panorama- und Passagierfahrten – und lassen die... Mehr lesen ...
Das Faschingsprinzenpaar wird für jede Saison zu Faschingsbeginn am 11. November vorgestellt © kamienczanka/Shutterstock
Das Jahr hat kaum begonnen, und schon befindet sich Kärnten inmitten der fünften Jahreszeit. Während vielerorts der Winter den Alltag bestimmt, herrscht im Faschingstrubel bereits Ausnahmezustand. Villach, die unangefochtene Narrenhauptstadt des Landes, übernimmt dabei traditionell die Führungsrolle: Mit der ersten Sitzung der Villacher Faschingsgilde im Jänner wird der Startschuss für die närrische Zeit gegeben. Ab diesem Zeitpunkt gilt in der Draustadt ein Ausnahmezustand, der sich Woche für Woche steigert.
Wenig später zieht auch die Landeshauptstadt Klagenfurt nach, während in zahlreichen kleineren Orten und Gemeinden die lokalen Gilden ihre Programme präsentieren. Überall wird dabei – mit spitzer Zunge, aber meist wohlwollend – über Politik, Gesellschaft und das Alltagsgeschehen sinniert.
Ein besonderer Höhepunkt ist der „damische Dienstag“, der als ausgelassenes Freudenfest den Winter symbolisch verabschiedet. Viele der heute bunt inszenierten Bräuche haben ihren Ursprung in einst magisch-kultischen Handlungen: Faschingsrennen, -treiben oder -jagen wechselten sich mit Darstellungen bäuerlicher Arbeiten ab, begleitet von abergläubischen Verboten und Regeln. Tätigkeiten wie das Spinnen galten als unheilvoll, während symbolische Handlungen Fruchtbarkeit, Schutz und eine gute Ernte sichern sollten.
Bräuche wie das Blochziehen oder das Einspannen von Mädchen vor einen Pflug erscheinen aus heutiger Sicht befremdlich, waren aber Teil eines komplexen sozialen Rituals. Strohpuppen wurden zu Faschingsbräuten, wortgewandte Dorfbewohner zu Schalksnarren, und gesellschaftliche Konventionen durften für kurze Zeit außer Kraft gesetzt werden. Sogenannte Prangerredner nehmen bis heute mit pointierten Texten und aktuellem Bezug das politische und gesellschaftliche Geschehen aufs Korn. Auch wenn Kunststoffmasken, Pappnasen und aufwendig gestaltete Kostüme die „Schimmel, Habergeißen und Narrentreiber“ vergangener Jahrhunderte ersetzt haben, ist der Kern derselbe geblieben: das gemeinsame Feiern, das Lachen über sich selbst – und die Freude auf den kommenden Frühling.
Eine Figur, die Kultstatus erreicht hat, tritt 2026 zum letzten Mal im Villacher Fasching auf. Der „Noste“ verabschiedet sich nach über 20 Jahren in die Pension und verlässt die Faschingsbühne. Viele Besucher und Stammgäste verbinden mit ihm jahrelange Erinnerungen an unverwechselbare, schräge Auftritte und laute Sprüche.
Höhepunkt in der Faschingshauptstadt
Als Höhepunkt des Villacher Faschings gilt der Umzug durch die Stadt am Faschingssamstag, bei dem das Motto lautet „Alle kommen maskiert!“ © HelgaQ/Shutterstock
In den Faschingshochburgen Kärntens ziehen am Faschingsdienstag tausende Narren durch Städte und Dörfer. Unter dem Jubel zahlreicher Schaulustiger wird getanzt, musiziert und gefeiert. Villach bildet dabei eine Besonderheit: Bereits am Faschingssamstag versammeln sich zehntausende, meist maskierte Besucher, um den großen Umzug mit fantasievollen Wagen und kunstvollen Masken zu erleben. Der legendäre Ruf „Lei-Lei“ ersetzt an diesem Tag selbst das übliche „Grüß Gott“ und wird zum akustischen Markenzeichen des Kärntner Narrentreibens.
Auch kulinarisch zeigt sich der Fasching zeitgemäß, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Aus den einst fetten Speisen wie Specknudeln, Sauschädel und Schmalzkrapfen wurden locker mit Marmelade gefüllte Faschingskrapfen oder mit Bioprodukten heimischer Bauern belegte Brötchen. Aus Most wurde Sekt, Frizzante, auserlesene Weine und eigens für den Fasching gebraute Biere kleiner Kärntner Brauereien. Gleich geblieben ist das Bedürfnis der Menschen, an diesen Tagen ihre Traurigkeit abzulegen und gegen Fröhlichkeit, Ausgelassenheit und unbändige Lebensfreude einzutauschen.
Der Kärntner Fasching ist ein besonderes Erlebnis. Ein paar Tage im Jahr, die es wert sind, so richtig ausgekostet zu werden. Kärntner Narr zu sein, heißt auch: „Sagen, was man denkt, fühlen, was man empfindet und so zu sein, wie man sein möchte.“