In Österreich gelten Goldschakale, die häufig mit Füchsen oder Wölfen verwechselt werden, mittlerweile als heimisch. Rund um den 19. April wird weltweit auf die Bedeutung dieser Wildhunde hingewiesen... Mehr lesen ...
Streuobstwiesen sind eine extensive Bewirtschaftungsform, die für die Biodiversität eine wichtige Rolle spielen © Robert Schneider/Shutterstock
Ein aktueller Bericht des Forschungsprojekts „DivMoSt“ zeigt, wie bedeutend diese traditionellen Kulturlandschaften für die Biodiversität sind. Auf den untersuchten Flächen in ganz Österreich konnten innerhalb eines Jahres 321 Insektenarten nachgewiesen werden. Besonders bemerkenswert ist, dass 225 verschiedene Bienenarten in den Streuobstwiesen ihren Lebensraum haben. Das ist rund ein Drittel aller heimischen Bienen. Auch seltene Schmetterlinge wie der Große Feuerfalter oder der Schwarze Apollo sind auf Streuobstwiesen zu entdecken.
Der Große Feuerfalter ist streng geschützt, da viele Populationen wegen Intensivlandwirtschaft verschwunden sind © Klaus Keller nature Photo/Shutterstock
Wer aufmerksam durch die Landschaften spaziert, entdeckt in den Streuobstwiesen eine große Vielfalt. Auch für Vögel und Fledermäuse sind sie ein wichtiger Lebensraum. Über 110 Vogelarten wurden im Zuge des Forschungsprojekts dokumentiert. Darunter sind charakteristische Arten wie der Wiedehopf, Wendehals und Gartenrotschwanz. Die alten Obstbäume bieten Brutplätze und die extensiv bewirtschafteten Wiesen liefern reichlich Nahrung. Auf den untersuchten Flächen konnten 23 von den 31 in Österreich vorkommenden Fledermausarten nachgewiesen werden. Das ist ein klares Zeichen für die ökologische Qualität dieser Lebensräume.
Er nutzt die Obstbäume als Ansitzwarte, um von dort Insekten und Spinnen zu erwischen © Gejo Wassik/Shutterstock
Trotz ihrer Bedeutung stehen Streuobstwiesen massiv unter Druck. Während es im Jahr 1930 noch rund 35 Mio. Streuobstbäume in Österreich gab, sind es heute nur noch etwa 4,2 Mio. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es ist eine Mischung aus fehlender Pflege, mangelnder Nachpflanzung und dem Verlust alter Bäume. Das setzt den Beständen zu. Laut Studie gibt es auf zwei Dritteln der Flächen zu wenig Nachwuchs, und ebenso viele Bäume werden nicht ausreichend gepflegt.
Hinzu kommen die Auswirkungen des Klimawandels. Die zunehmende Ausbreitung der Mistel schwächt viele Bäume zusätzlich und verschärft die Situation weiter. Ohne gezielte Maßnahmen droht ein schleichender Verlust dieses einzigartigen Landschaftstyps.
Die Mistel zapft die Leitungsbahnen der Bäume an und versorgt sich so mit dem Wasser und Nährstoffen, die eigentlich der Baum braucht © Dietrich Leppert/Shutterstock
Gleichzeitig gibt es Hoffnung. Forschende haben eine neue Methode entwickelt, um Streuobstbestände künftig besser zu erfassen und zu schützen. Mithilfe von Satellitendaten, digitalen Geländemodellen und künstlicher Intelligenz können Obstbäume automatisiert erkannt und überwacht werden. Dieses High-Tech-Monitoring ermöglicht es, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.
Für Reisende eröffnet sich damit eine erweiterte Perspektive: Streuobstwiesen sind nicht nur wunderschöne Ausflugsziele, sondern auch lebendige Beispiele dafür, wie eng Natur, Kultur und nachhaltige Landwirtschaft miteinander verbunden sind. Wer durch diese Landschaften wandert, erlebt Österreich von einer ursprünglichen Seite und trägt durch bewusstes Reisen vielleicht auch dazu bei, dass diese wertvollen Lebensräume erhalten bleiben.
Info: www.boku.ac.at