Ein Beruf zwischen Wald und Wasser

Ein Artikel von Verena Preining | 14.06.2026 - 09:29
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Bis heute wird der alte Beruf in allen Ehren gehalten © Greifenburger Flößer

Die Flößerei zählt zu den ältesten Transportformen Europas. Besonders im Mittelalter boten Flüsse den schnellsten Weg, große Mengen Holz zu bewegen. Die gefällten Bäume wurden entweder einzeln mit der Strömung getrieben oder zu großen Flößen verbunden.

Mit langen Stangen lenkten die Flößer ihre schweren Holzverbände durch Strömung. Jeder Fluss hatte seine Eigenheiten und nur wer Wasserstand, Strömung und Wetter richtig einschätzen konnte, brachte seine wertvolle Fracht sicher ans Ziel.

Die Flüsse als Holzstraßen Österreichs

Auch in Österreich prägte die Flößerei viele Regionen. Holz aus den Alpen wurde für Häuser, Schiffe, Industrie und zum Heizen benötigt. Besonders Städte wie Wien waren auf die Lieferungen über das Wasser angewiesen. Am Attersee etwa wurden mächtige Bäume aus den umliegenden Wäldern zu Flößen verbunden und über See, Ager, Traun und Donau weitertransportiert. Manche Stämme gelangten sogar bis nach Budapest und wurden dort für den Schiffsbau verwendet. Eine besondere Rolle spielte auch die Drau in Kärnten. Sie galt ab dem 17. Jh. als wichtige „Holzstraße“, auf der Holz und andere Waren von Oberkärnten Richtung Osten transportiert wurden.

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Bei den Flößertagen, bekommen Besucher einen Einblick in das Handwerk der Flößer © Greifenburger Flößer

Flößer zu sein bedeutete harte Arbeit und großes Risiko. Die Männer standen oft stundenlang auf nassem Holz, kämpften gegen Strömungen und mussten blitzschnell reagieren, wenn sich Stämme verkeilten oder ein Floß außer Kontrolle geriet. Gleichzeitig entwickelte sich rund um dieses Handwerk eine eigene Kultur, mit Traditionen, Begriffen und Bräuchen, die über die Generationen weitergegeben wurden.

Ein Handwerk, das weiterlebt

Mit dem Ausbau der Eisenbahn, modernen Straßen und dem Transport per LKW verschwand die gewerbliche Flößerei im Laufe des 20. Jh. fast vollständig. Doch vergessen ist sie nicht. An der Oberen Drau in Kärnten wird dieses Wissen bis heute bewahrt. Die traditionelle Technik des Floßbauens und Floßfahrens gehört mittlerweile zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Jedes Jahr lassen die Oberdrautaler Flößertage die Vergangenheit wieder lebendig werden: In mehreren Orten entstehen nach alter Tradition Holzflöße, mit denen die Drau befahren wird. Dabei geht es um das historisches Handwerk, Gemeinschaft, regionale Identität und die Erinnerung an jene Menschen, die einst mit Mut und Geschick Österreichs Flüsse bezwangen. Wer heute einem Floß auf der Drau begegnet, sieht ein Stück lebendige Geschichte.

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Österreichische Briefmarke © Mirt Alexander/Shutterstock

Veranstaltungstipp: Oberdrautaler Flößertage
18. bis 21. Juni 2026 | Obere Drau, Kärnten
Bei den Oberdrautaler Flößertagen wird die jahrhundertealte Tradition der Flößerei wieder lebendig. Entlang der Drau, von Oberdrauburg bis Spittal an der Drau, entstehen nach historischem Vorbild gebaute Holzflöße, mit denen die Flößer die letzte freie Fließstrecke der Drau befahren.
Info: www.kärnten.at