Meditation zwischen schaurigen Skulpturen

Ein Artikel von Marion Pertschy | 03.06.2019 - 14:31

„Victor's Way ist kein Vergnügungspark für Familien“, stellt Victor Langheld gleich zu Beginn fest. Auch wenn in seinem Park in Wicklow Granit-Skulpturen stehen, die auf den ersten Blick so gar nicht nach Ruhe und Entspannung aussehen, ist genau das sein Existenz-Grund. In den 80er Jahren reiste der gebürtige Berliner quer durch Indien, lebte in Thailand, Sri Lanka und Japan, in der Hoffnung die Erleuchtung zu finden.

Inspiriert ließ er nach seiner Rückkehr 1989 den „Victor's Way Park“ als Meditations-Raum für alleinstehende Erwachsene zwischen 28 und 65 Jahren errichten, die das Bedürfnis haben, sich eine Auszeit für Ruhe, Erholung und geistige Neuorientierung zu nehmen.  

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Mutter und Kind müssen sich trennen. Trennung ist schmerzhaft und freudig zugleich. Schmerzhaft, weil beide aneinander festhalten wollen. Freudig, weil (die Freiheit zu) einem neuen Leben für beide winkt. © Monita de La Luz/Shutterstock

Der 20 ha große Park beherbergt mittlerweile sieben große und 37 kleine Skulpturen aus schwarzem Granit. Jene sieben großen und wichtigsten Skulpturen repräsentieren die sieben Entwicklungsstadien des Lebens. Viele der Skulpturen enthalten außerdem kleine Motive der Moderne, wie etwa ein Glas Guinness neben einer Ganesha-Statue oder einem Mobiltelefon, das auf dem Rücken eines hungernden Buddha versteckt ist.

Die Fertigstellung von Langhelds Herzensprojekt dauerte ganze 25 Jahre – immerhin waren fünf Arbeiter rund ein Jahr mit einer einzigen der Skulpturen beschäftigt. Alle Skulpturen wurden in Roundwood entworfen und dann in einer speziellen Werkstatt in Mahabalipuram in Südindien von Hand geschnitten.   

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Die Skulptur des fastenden Buddha ist eine Kopie der Steinikone aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., die im 19. Jahrhundert von britischen Archäologen aus einer alten buddhistischen Pilgerstätte in Taxila, Pakistan, geraubt wurde. Das Origina ist im Lahore Museum zu sehen. © Monita de La Luz/Shutterstock

Damit der Frieden und die Ruhe im Park aufrecht bleiben, sollten im Idealfall gesprächige Begleiter, Kinder und Hunde nicht mitgebracht werden. Auch das Telefonieren oder ähnliche störende Geräusche bittet Langheld zu unterlassen. Zu viele Tagesausflügler, die Victor's Way in einen Spielplatz für Familien mit Kindern verwandelten, waren der Grund, dass der Wahl-Ire den Park – ursprünglich hieß er „Victoria's Way“ – 2015 vorübergehend schloss, um ihn im April 2016 mit strengeren Regeln und neuem Namen wiederzueröffnen.

Seine persönliche Geschwindigkeit zu drosseln, innezuhalten, auf den Parkbänken sitzend die Umgebung und die Waldatmosphäre aufzusaugen – das ist es, was der Vater des Parks für Besucher vorgesehen hat. Rund 2 km können Erholungssuchende und Interessierte zwischen den Figuren spazieren. Daher sollte man sich für „Victor's Way“ mindestens eine Stunde Zeit nehmen.  

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Der geteilte Mann symbolisiert geistigen und körperlichen Zustand des gestörten, weil unentschiedenen Menschen. Er ist in Stücke gerissen, weil er nicht in der Lage oder nicht bereit ist, zu entscheiden, was er sich widmen soll und folglich unfähig ist, sein wahres Selbst zu erschaffen und zu erfahren. © Monita de La Luz/Shutterstock

Der Park ist täglich bis 29. September von 12.30 bis 18 Uhr öffentlich zugänglich, der Eintritt für Erwachsene kostet € 5,-.

Adresse: Mullinaveige, Co. Wicklow, Irland

Infos: victorsway.eu