Der heilige Berg Armeniens

Ein Artikel von Verena Preining | 02.10.2026 - 09:34
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Von Weitem ist der Berg Ararat zu sehen © vvoe/Shutterstock

Schon von weitem zieht er die Blicke auf sich. Zwei gewaltige, schneebedeckte Gipfel ragen über die weite Landschaft empor, an klaren Tagen wirken sie zum Greifen nah. Der Große Ararat liegt heute auf türkischem Staatsgebiet, unweit der Grenze zu Armenien. Trotzdem ist der Berg mit der armenischen Identität verbunden. Sein Bild findet sich in der Kunst, auf Souvenirs und Produkten und sogar im armenischen Staatswappen. 

Ein Berg zwischen Geschichte und Legende

Seine besondere Bedeutung reicht weit zurück. Der Ararat wird traditionell mit der biblischen Geschichte von Noah und der Arche verbunden. Nach der Sintflut soll die Arche auf den „Bergen von Ararat“ gestrandet sein. Im armenischen Kulturraum wurde daraus über Jahrhunderte eine besonders enge Verbindung zwischen dem Berg, der eigenen Geschichte und der Vorstellung von Heimat. Auch die Landschaft rund um das heutige armenische Ararat-Tal ist von dieser Tradition geprägt. Für Armenien steht der Berg sinnbildlich für ein Land, dessen Geschichte von wechselnden Reichen, politischen Grenzen und tief verwurzelten religiösen Traditionen geprägt wurde. In der armenischen Tradition wird der Berg häufig Masis genannt. International ist er vor allem unter dem Namen Ararat bekannt.

Das Kloster Khor Virap

Um den Ararat von armenischer Seite zu erleben, ist ein Besuch zum Khor Virap empfehlenswert. Das Kloster liegt im Süden des Landes, rund 40 Min. von der Hauptstadt Jerewan entfernt und gilt als einer der eindrucksvollsten Aussichtspunkte auf den Berg. Bei klarer Sicht erscheint der schneebedeckte Ararat direkt hinter den Mauern des Klosters. Der Name des Klosters bedeutet sinngemäß „tiefer Kerker“ und erinnert an Gregor den Erleuchter, eine der wichtigsten Figuren der armenischen Kirchengeschichte. Der Überlieferung zufolge wurde er unter König Trdat III. wegen seines christlichen Glaubens in einem tiefen Verlies gefangen gehalten. Dreizehn Jahre soll Gregor dort verbracht haben. Das unterirdische Verlies kann von Besuchern heute noch besichtigt werden. Später wurde Gregor zum Wegbereiter der Christianisierung Armeniens. Im Jahr 301 nahm König Trdat III. das Christentum an und machte es zur Staatsreligion. Armenien gilt damit als das erste Land, das das Christentum offiziell zur Staatsreligion erhob. 

Der Ararat als Symbol der Heimat

Für viele Armenier steht der Ararat stellvertretend für die Heimat. Doch der Berg darf auf offiziellen Stempeln und in neuen Reisedokumenten der Republik Armenien nicht mehr abgebildet werden. Seit letztem Jahr die Silhouette des Berges Ararat komplett von den offiziellen Grenzstempeln verschwunden. Sogar Bilder die den Berg im nationalen Reisepass abgebildet haben, wurden geändert. Ein Beispiel ist das Kloster, das nun aus einem anderen Winkel dargestellt ist und den Ararat gezielt ausgespart. Die armenische Führung möchte damit Signale der Entspannung an die Nachbarstaaten - insbesondere die Türkei - senden. Da der Berg Ararat seit 1921 auf türkischem Staatsgebiet liegt, argumentiert die Regierung, dass offizielle armenische Dokumente nur Symbole zeigen sollten, die sich innerhalb der Staatsgrenzen befinden. Stattdessen wird nun verstärkt der Berg Aragats - der höchste Berg innerhalb Armeniens - als neues Nationalsymbol gefördert.

Obwohl der Berg nicht mehr auf armenischen Staatsgebiet steht, bleibt seine markante Silhouette das Wahrzeichen Armeniens. Der ruhende Vulkan liegt im Armenischen Hochland in Ostanatolien, nahe der Grenze zu Armenien, dem Iran und der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan. Zur Landschaft rundum den Berg gehört das Ararat-Tal zählt. Das ist eines der fruchtbarsten Regionen Armeniens. Obstgärten und Weinberge prägen die Umgebung. Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen und andere Früchte werden dort angebaut. Die Reise zum Ararat führt mitten durch eine Kulturlandschaft, in der Landwirtschaft, Weinbau und jahrhundertealte Traditionen bis heute zum Alltag gehören. 

Ein Berg für Abenteurer

Natürlich übt der Ararat auch auf Bergsteiger eine besondere Faszination aus. Mit mehr als 5.000 m Höhe und seinen vergletscherten Gipfelregionen ist er ein ernst zu nehmendes Bergziel. Seine Besteigung ist allerdings nicht mit einer gewöhnlichen Wanderung vergleichbar und erfordert entsprechende Vorbereitung sowie die notwendigen Genehmigungen und der Sie dürfen den Berg nicht auf eigene Faust betreten. Die türkische Regierung verlangt zwingend eine offizielle Genehmigung (Militärerlaubnis) sowie die Begleitung durch einen lizenzierten einheimischen BergführeBegleitung durch einen Bergführer. Außerdem kann man den Berg nicht von der armenischen Seite aus besteigen. Die Grenze zwischen Armenien und der Türkei ist seit 1993 komplett geschlossen, somit gibt es dort keinen Grenzübergang. Eine Besteigung ist ausschließlich von der türkischen Seite aus möglich. Die Touren starten in der Regel in der ostanatolischen Stadt Doğubayazıt.

Info: www.armenia.travel