Bildstock-Rundwanderung in Straß/NÖ

Ein Artikel von DI Christiane Bartal | 17.05.2016 - 09:50

Zwischen Wald- und Weinviertel liegt Straß im Straßertale, in einem Seitental des Kamptals. Eine malerische Gemeinde, die vom Weinbau geprägt wird. Und Ausgangspunkt mehrerer interessanter Rundwanderwege, wie dem Ruinen-, Gaisberg- und dem Museumsrundwanderweg. Oder eben dem Bildstock-Rundwanderweg, der auf 6 km durch das Ortszentrum und die umliegenden Weinberge führt.

Barocke Marienbrücke

Ausgangspunkt ist die Ortsmitte von Straß, direkt bei der Pfarrkirche, die alleine schon wegen ihrer mit Fresken kunstvoll verzierten Loretokapelle einen Besuch wert ist. Ecke Marktplatz/Herrengasse befindet sich die erste Sehenswürdigkeit des Rundweges, die einige Geschichten erzählen könnte: der aus dem 17. Jh. stammende Pranger. An diesem Gerichtsort wurden bis 1790 Schandstrafen vollzogen. Der Verurteilte musste ei­ne bestimmte Zeit am Pranger stehen und konnte vom Pöbel verspottet werden.

Nur wenige Meter weiter sorgt die Marienbrücke inmitten der malerischen Kastanienallee für einen weitaus entzückenderen Anblick. Die barocke Doppelbogenbrücke über den Gscheinzbach ist das Wahrzeichen von Straß. Ihre zweite Bezeichnung "Kaisersteg" rührt von einer geschichtlichen Begebenheit her:
An der rechten Seite des Baches in der sog. Hofpresse wohnte einst die alteingesessene Straßer Familie Kaiser. Ein Ahn­herr dieser Familie spielte gerne Karten mit dem Pfarrer, der im Pfarrhof an der gegenüberliegenden Seite des Baches wohnte. Da die Marien­brücke noch nicht existierte, musste er einen beträchtlichen Umweg in Kauf nehmen, um über die große Straßenbrücke zu dem nur etwa 50 m entfernten Pfarrhaus zu gelangen. Aus diesem Grunde ließ er die Marien­brücke auf seine Kosten erbauen. Ein Zweitname für diese elegante Fuß­gängerbrücke heißt daher nach seinem Erbauer "Kaisersteg".

Durch die alte Kellergasse

Unweit der Brücke stehen der Hl. Florian und der Hl. Johannes Nepomuk. Letzterer gilt mit seinem Festtag am 16. Mai insbesondere unter den Weinbauern als Wasserpatron, schließlich soll er für die wichtige Bewässerung der Weingärten im Frühsommer sorgen. Sei­ne Statuen findet man daher besonders häufig in Weinbaugegenden. Meist ist der Hl. Florian, der Feuerwehr-Patron, sein Gegenstück – wie auch hier. Ursprünglich standen die beiden "Brückenheiligen" an den beiden Seiten der großen Straßenbrücke über den Gscheinzbach.

Den gelben Wegweisern "Bildstock Rundwanderweg" folgend, gelangen Sie in der Sauerbrunngasse zum ersten "echten" Wegkreuz, dem Wagnsonner-Kreuz. Beinahe geht man achtlos daran vorbei, so unscheinbar verbirgt es sich linkerhand unter den Sträuchern. Errichtet wurde es im Jahr 1938 vom Straßer Weinhauer und Fassschnitzer Anton Wagnsonner aus Dankbarkeit für einen unbeschadet überstandenen Sturz vom Dachboden.

Weiter geht's rechts durch die Haselkellergasse, die teilweise noch in ihrem Ursprung erhalten ist, zum Weinhauer Kreuz. Es wurde im Zuge der Anlage dieses Rundwanderweges an dieser Stelle neu errichtet. Das Kreuz selbst besteht aus Fassdauben – als Symbol für den Weinbau. Der gekreuzigte Jesus aus Gusseisen soll die Weinhauer immer daran erinnern, dass es letztlich bei Gott liegt, wie groß der Ertrag der schweren Weingartenar­beit ausfällt.

Ein burgenländischer Grenzturm mitten im Weinberg

Der Blick nach rechts offenbart einen traumhaften Ausblick über die Weingärten in die Donauebene. Sobald sich der Güterweg nach links wendet, wird bald ein seltsamer Turm sichtbar. Etwa ein Grenzturm? Tatsächlich. Die Infotafel verrät, dass es sich um einen – teils rekonstruierten – Wachturm samt Hütte aus Halbturn handelt. Ein Relikt, wir es sie bis vor kurzem noch zahlreich im burgenländischen Grenzgebiet gab. Das hölzerne Konstrukt ist zwar in Privatbesitz (von einem Straßer Bewohner ersteigert aus dem Privatbesitz des Militärkommandos Burgenland), darf aber offiziell bestiegen werden.

Von oben bietet sich durch die Fenster der verriegelten Hütte ein etwas beklemmender Einblick in das Innere der Hütte. Beeindruckender ist sicherlich der traumhafte Ausblick auf die umgebende Weinlandschaft. Von hier aus ist auch bereits der nächste Bildstock sichtbar.

Das Rote Kreuz und das Hochgericht auf der Gautscherhöhe

Der Wagnsonner-Bildstock wurde 1908 von Leopold und Maria Wagnsonner anlässlich eines Doppeljubiläums errichtet: zum 50-jährigen Priesterjubiläum von Papst Pius X. und zum 60-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josefs I. Angeblich sollen die Erbauer bei der Formulierung der Inschrift in einen Gewissenskonflikt gekommen sein – gibt man dem Papst oder doch dem Kaiser den Vorrang? Man hatte sich dann offenbar für die kirch­liche Instanz vor dem weltlichen Machthaber entschieden.

Kurz bevor Sie die Landeshauptstraße 43 überqueren, stehen Sie vor dem Roten Kreuz. Derartige "Rote Kreuz" findet man oft an bedeutenden Wegkreuzungen. Im Volksglauben galten solche Plätze als Versammlungsort von Hexen oder als Stellen, an denen man unter gewissen Bedingungen mit dem Teufel verkehren kann. In den Rau­nächten und besonders in der Christnacht konnte man hier in die Zu­kunft blicken ("losen"). Unweit dieses Kreuzes auf der Gautscherhöhe, die sich rechter Hand erhebt, stand früher einmal das Hochgericht der Herrschaft Falkenberg. Gut möglich, dass an dieser Stelle die Verurteilten an den Henker ausgeliefert wurden. Bis zu diesem Kreuz be­gleitete der Priester den Delinquenten.

Schwertkreuz aus dem Jahr 1489

Die Landesstraße überquert, gelangen Sie bald zu einer Abzweigung, die einen Abstecher zum Hl. Donatus anzeigt. Etwa 150 m weit führt ein alter Güterweg zur Steinstatue, die den Schutzheiligen der Weinhauer als römischen Offizier mit Kriegsmantel, Lorbeerkranz, Getreidegarbe und Weinranken dargestellt.

Zur Wegkreuzung zurückgekehrt, folgen Sie nun weiter dem Güterweg. Nach einigen Weinkellern, wieder an einer Wegkreuzung, gelangen Sie zum Figlkreuz. Das einfache Holzkreuz wurde einst von der alteingesessenen Familie Figl gestiftet, deren Nachfahren noch heute das Grundstück dahinter gehört.

In der Placher Kellergasse stoßen Sie auf gleich zwei Flurdenkmäler: Zum einen rechter Hand, etwas versteckt auf der Böschung das Pestkreuz aus dem Ende des 17. Jh. Ob es tatsächlich auf die Seuche zurückgeht, ist unklar, schließlich trägt der Bildstock keine Inschrift. Überliefert ist hingegen, dass 1680 in Straß 100 Pesttote zu beklagen waren.

Gleich gegenüber steht mit dem Schwert- oder Gerichtskreuz aus dem Jahr 1489 ein besonderes Kleinod. Es handelt sich dabei um eines der ältesten datier­ten Flurkreuze Niederösterreichs. Der ursprüngliche Standplatz liegt im Hohlweg, ca. 350 m nördlich, wo Paul Vasmann am 2.8.1489 ermordet worden sein soll. Die bildliche Auszier mit Schwert und Beilen könnte aber auch dazu verleiten, an eine "Falltor-Säule" zu denken. Diese Säulen waren immer an Ortseingängen zu finden.

Kurz danach und nach insgesamt ca. 1,5 Stunden Gehzeit erreichen Sie wieder den Ausgangspunkt bei der Pfarrkirche.

Tipp:

Besuchen Sie das Freilichtmuseum "Germanisches Gehöft" in Elsarn, der Nachbarortschaft von Straß! Dort erleben Sie den Alltag, die Gebäude und Bräuche der Germanen – eine spannende Zeitreise 1.500 Jahre in die Vergangenheit.

Info: www.freilichtmuseum-elsarn.at

Start- und Endpunkt: Ortszentrum Straß im Straßertale, bei der Pfarrkirche

Gehzeit: 1 Stunde, 30 Minuten

Weglänge: 6 km

Höhendifferenz: 66 m

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Der Bildstock-Rundwanderweg (orange) führt vom Straßer Ortszentrum durch malerische Kellergassen und die umliegenden Weingärten © Peter Ableidinger