Die Wasserstraße nach Wien

Ein Artikel von REISEN Magazin/Gerald Stiptschitsch | 22.04.2021 - 12:32
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Das fast 1.000-jährige Wasserschloss von Kottingbrunn wurde mehrmals zerstört und danach immer wieder verstärkt © Gerald Stiptschitsch

Der Warentransport mittels Pferden war Ende des 18. Jh. ausgesprochen teuer und die Besitzer der Kohlengrube bei Wr. Neustadt hatten Probleme, ihre Kohle kostengünstig nach Wien zu bringen, um preislich gegenüber dem Mitbewerb mithalten zu können. Die „Wiener Neustädter Steinkohlegewerkschaft“ unterbreitete 1794 Kaiser Franz II. den Plan, einen Kanal nach Wien zu errichten, der zwischen dem Ungertor von Wr. Neustadt und dem heutigen Bahnhof Wien-Mitte als Gütertransportweg dienen sollte.
Bereits ein Jahr später wurde Ing. Sebastian von Maillard mit der Planung beauftragt, der sich zuvor intensiv mit den schiffbaren Kanalnetzen in Manchester und Edinburgh beschäftigte, ehe er den österreichischen Schifffahrtskanal plante. Sein Vorhaben war umfangreich und sah eine Verbindung von Wien nach Wr. Neustadt und Ödenburg – dem heutigen Sopron – vor, und von dort aus einerseits nach Raab und andererseits in die Steiermark bis an die Adria. Sein Hauptaugenmerk lag aber immer an der Verbindung zwischen Wien und Wr. Neustadt, wo zwischen 1797 und 1803 ein 56 km langer Kanal mit einem Gefälle von 93 m entstand, der mit 52 Schleusen und 46 Schleusenabschnitten unterteilt wurde. Für den Bau des Kanals, der quer durch die schotterreiche „Steinfelder Heide“ führt, musste der Boden mit feinkörnigen Materialien wie Ton oder Lehm abgedichtet werden (Beton wurde erst 1824 wiederentdeckt). Die Brücken entstanden teils aus Ziegeln, die aus der kanaleigenen Ziegelfabrik bei Guntramsdorf stammten.Mit der Fertigstellung konnte schließlich die Residenzstadt Wien ausreichend mit Steinkohle anstatt mit Holz versorgt werden.

Die kurze Wanderung, die völlig eben verläuft, führt zunächst am Kulturpfad Kottingbrunn entlang und startet beim Eingang zum Schlosspark mit seinem schönen Altbaumbestand und der imposanten Kastanienallee. Die Kaiser- oder Parkallee führt direkt zur Kaiseralleebrücke und über den Kanal, wo wir links zu den Fischteichen abbiegen. Diese Brücke ist auffallend niedrig und wurde erst nach Einstellung des Schiffbetriebes als direkte Verbindung zwischen Bahnhof und der Pferderennbahn errichtet. Im Bereich dieser sogenannten „Rennbahnteiche“ entstand zur Jahrhundertwende eine der schönsten Rennbahnen Europas und Kottingbrunn erlebte dadurch den größten wirtschaftlichen Aufschwung seiner Geschichte. Die an der Rennbahn errichtete Kaisertribühne wurde im Kriegsjahr 1915 ein Opfer der Flammen und wurde nicht wiederaufgebaut. Noch heute kann man im Schlosspark an einigen Stellen die Fundamente dieses Bauwerks entdecken. Der Weg zweigt nun links in einen Fußpfad ab, führt an der Rennbahnbrücke vorbei und gerade aus weiter am Schwitzstall vorbei.

Die Route zur Wanderung finden Sie auch auf outdooractive.com.

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