Kopfloser Komponist

Ein Artikel von Monika Stroj | 06.03.2026 - 07:18
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Das Komponisten-Denkmal im Großen Tiergarten in Berlin zeigt neben Joseph Haydn auch Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart © Tai Dundua/Shutterstock

Joseph Haydn war ein Komponist der Wiener Klassik und gilt als Vater der Sinfonie und des Streichquartetts. Er hat mit seinem Werk sowohl das Schaffen von Mozart und auch Beethoven beeinflusst. Haydn wurde im Jahr 1732 in Rohrau in Niederösterreich geboren und hat viele Jahre am Hof der Fürstenfamilie Esterházy komponiert. Dabei entstanden über 100 Sinfonien, zahlreiche Streichquartette, Opern und Oratorien – etwa „Die Schöpfung“.

Eines seiner bekanntesten Stücke ist wohl das Kaiserlied. Er schrieb die Melodie ursprünglich für den österreichischen Kaiser Franz, heute erklingt diese zum Text der deutschen Nationalhymne. Joseph Haydn war zudem auch bekannt für bestimmte Scherze in seinen Stücken – etwa der plötzliche laute Akkord in der „Sinfonie mit dem Paukenschlag“.

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Die Bergkirche in Eisenstadt beherbergt das Mausoleum von Joseph Haydn © trabantos/Shutterstock

Die Geschichte rund um seinen Schädel begann nach seinem Tod 1809. Er starb zur Zeit der napoleonischen Besetzung Wiens und wurde relativ schlicht auf dem Hundsturmer Friedhof in Meidling begraben. Die Esterházy zeigten anfangs kein großes Interesse, allerdings wollte sein ehemaliger Dienstherr, Fürst Nikolaus II., den berühmten Komponisten einige Jahr später ehrenvoll in die Familiengruft der Esterházy nach Eisenstadt bringen lassen. So ließ man Haydn im Jahr 1820 exhumieren und seinen Leichnam in die Bergkirche nach Eisenstadt (heute daher auch als Haydnkirche bekannt) überführen. Im Zuge der Öffnung seines Sargs stellte sich heraus, dass sich der Schädel von Joseph Haydn nicht in seinem Grab befand.

Nachforschungen ergaben dann, dass Joseph Carl Rosenbaum – der damalige Sekretär des Fürsten Esterházy – u. a. den Totengräber und den Gefängnisverwalter bestach, um einige Tage nach der Beerdigung heimlich das Grab des Komponisten zu öffnen und an seinen Schädel zu gelangen. Rosenbaum war Anhänger der sogenannten Schädellehre – sie besagt, dass äußerliche Merkmale des Schädels Zusammenhänge mit gewissen geistigen Eigenschaften entdecken ließen. Man wollte das Genie genauer untersuchen. Das Versteck des Schädels konnte zur Zeit der Überführung des Leichnams nicht ausfindig gemacht werden – daher wurde Haydn in Eisenstadt zuerst ohne seinen Schädel beigesetzt.

Der Gefängnisverwalter soll dann der Polizei zwar einen Schädel übergeben haben, der allerdings nicht der echte war. Rosenbaum wollte den Schädel an das Musikkonservatorium vermachen, es dauerte allerdings bis zum Jahr 1895, bis der Schädel schließlich der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien zufiel. Es sollte wieder einige Jahre dauern, bis der Komponist wieder bekam. Nach der Errichtung des Haydn-Mausoleums in der Eisenstädter Bergkirche wurde schließlich im Jahr 1954 der Schädel zu Haydns restlichen Gebeinen gelegt.

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Das Geburtshaus von Joseph Haydn befindet sich im niederösterreichischen Rohrau © Rastislav Stur/Shutterstock

Wer den Komponisten näher kennen lernen will, besucht das Haydn Geburtshaus in Rohrau (Niederösterreich) oder stattet ihm einen Besuch in der Bergkirche in Eisenstadt ab. Außerdem findet alljährlich eine Konzertreihe in der Haydnregion Niederösterreich, rund um Rohrau, Bruck an der Leitha und Carnuntum, statt. Im Jahr 2026 lautet das Motto „Grenzenlos klassisch“: Von 15. März bis zum 13. Dezember lädt ein vielfältiges Programm zur Auseinandersetzung mit dem bedeutenden österreichischen Komponisten ein.

Info: www.haydnregion-noe.at