Das autonome Juwel der Stadt Ljubljana

Ein Artikel von Marion Pertschy | 11.03.2019 - 14:25

Jede europäische Hauptstadt hat seinen ganz persönlichen Charme und Plätze, die irgendwie außergewöhnlich auf uns wirken. So auch Ljubljana, das Herz Sloweniens. Slowenien im Allgemeinen als Reiseziel stößt bei vielen auf Verwunderung, ist es doch scheinbar keine der „üblichen“ Reisedestinationen.

Dabei ist Slowenien ein Nachbar Österreichs und seine Hauptstadt liegt keine vier Autostunden von Wien entfernt. Ljubljana zieht jedoch immer öfter das Interesse und die Aufmerksamkeit vor allem jüngerer Reisender und vieler Studenten auf sich.

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Die Metelkova mesto ist ein autonomer Stadtteil von Ljubljana. © Marina J/Shutterstock.com

Stattet man jener Stadt einen Besuch während des Uni-Semesters ab, sind die Straßen erfüllt von Leben und geselligem Treiben. Schlendert man im Sommer durch Slowenien, während die Universitäten geschlossen haben, wirkt Ljubljana eher wie ein verschlafenes und doch kulturell wertvolles Städtchen voller Sehenswürdigkeiten, dem es auch gerade zu dieser Zeit des Jahres kein Stück an einem ganz besonderen Lebensgefühl mangelt.

Entlang des Flusses Ljublanica reihen sich Restaurants, Bars und Cafés beinahe lückenlos aneinander und laden zum relaxen und genießen ein und schlendert man durch die zahlreichen engen Gassen der Stadt findet sich an so manchem Ende ein kleines Juwel, dass außergewöhnlicher nicht sein könnte.

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Unzählige bunte Elemente, Graffitis und skurrile Skulpturen zieren das Areal. © Reimar/Shutterstock.com

Die Metelkova Mesto ist so ein Juwel. Der nördliche Teil der ehemals leerstehende Kaserne, die den Rahmen dieses alternativen Kulturzentrums bildet, wurde 1993 von einer Vereinigung von Künstlern und Intellektuellen, die sich „Netz für Metelkova“ nannte besetzt und bewahrte diesen Teil der Kaserne vor dem Abriss. Heute zieren unzählige Graphities, Gemälde, Mosaike und skurrile Skulpturen die Wände und den Innenbereich.

Die Metelkova Mesto liegt direkt im Zentrum und wird nur durch drei kleine Treppen vom Museumviertel getrennt. Dieser gewisse Flair zieht aber auch, zumindest zum Teil, ein etwas ungewöhnliches Publikum an. Schon am oberen Treppenabsatz verbreitet der Wind den Geruch nach Marihuana. Manch kleine Sünde ist hier wohl kein Tabuthema, doch ist den Bewohnern eine Weltoffenheit und Toleranz hoch anzurechnen.

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Mehrere Clubs, Bars und Diskotheken finden sich in der Metelkova mesto. © Marina J/Shutterstock.com

Die Metelkova Mesto bietet jedoch nicht nur Einiges für die Augen, sondern verwöhnt auch die Ohren mit den Klängen der unterschiedlichsten Musikrichtungen in diversen Clubs, die sich dort angesiedelt haben und abends tummeln sich auf dem Platz vor den Clubs die unterschiedlichsten Menschen in völligem Einklang.

Neben all dem, ist jedoch noch immer das Interessanteste an der Metelkova Mesto, dass hier nichts ganz normal funktioniert. Die Clubs der Metelkova Mesto wollen keine Steuern an die Stadt zahlen und bekommen deshalb auch weder Wasser noch Strom. Somit ist es ein autonomes Viertel, dass seine eigenen Regeln macht, sich jedoch auch um vieles selber kümmern muss. Nicht ohne Grund heißt das slowenische Wort „Mesto“ übersetzt „Stadt“. Trotzdem hält sich hier alles am Laufen, mit Generatoren und Mithilfe aller Ansässigen wird die Metelkova Mesto zu einem der besondersten Orte der Stadt Ljubljanas.

Infos zu Veranstaltungen: www.metelkovamesto.org