Der erste Kühlschrank stand in der Wüste

Ein Artikel von Verena Preining | 24.06.2026 - 09:09
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Die beiden Wüsenkühlschränke in der Festung Ghaleh Jalali im Iran ist gut erhalten © Bisual Photo/Shutterstock

Ein Kühlschrank aus Lehm und Wind

Der Yakhchal – übersetzt „Eisgrube“ – ist ein großer kuppelförmiger Bau aus lokal verfügbaren Lehmziegeln und wurde aus einem wärmeabweisenden Mörtel namens Sāruj errichtet. Mit dem Sāruj-Mörtel wurden meterdicken Wände gebaut, die aus einer besonderen Mischung aus Sand, Ton, Kalk, Asche, Ziegenhaaren und teilweise Eiweiß bestanden. Diese Zusammensetzung ist extrem hitzebeständig und isolierte gegen die Hitze. Die Hauptstruktur der Kuppel wurde mit rohen, sonnengetrockneten Lehmziegeln gemauert, die im Sommer zusätzlich mit Stroh bedeckt wurden, um die Isolierung zu verbessern. Die flachen Becken zur Eisherstellung im Inneren sind mit gebrannten und somit wasserfesten Ziegeln ausgekleidet.  

Durch die dicken Mauern, den unterirdischen Speicherraum und die ausgeklügelte Luftzirkulation konnten Eis und Lebensmittel über lange Zeit und über die heißen Sommermonaten gelagert werden. Eis, das im Winter hergestellt oder aus den Bergen gebracht wurde, blieb so lange erhalten. Von außen erinnerte der Wüstenkühlschrank an ein kleines Monument, in dessen Innerem sich eine geniale Kühlanlage befand. 

Obwohl heute die historischen Yakhchals im Iran nicht mehr aktiv genutzt werden, da elektrische Kühlschränke sie abgelöst haben, spielen sie in der Gegenwart weiterhin eine wichtige Rolle. Das persische Wort für einen ganz normalen, elektrischen Haushaltskühlschrank lautet unverändert „Yakhchāl“ (Eisgrube). Als Kulturerbe existieren heute noch schätzungsweise 129 gut erhaltene historische Yakhchals. Viele wurden aufwendig restauriert und stehen unter strengem Denkmalschutz (z. B. in den Wüstenstädten Yazd, Meybod oder Kerman). Auch wurden alte Wüsenkühlschränke umfunktioniert und werden heute als schattige Marktplätze, Cafés, Ausstellungsräume oder Museen genutzt. Für die Wissenschaft haben Forscher die  Architektur und Thermodynamik einzelne Yakhchals untersucht. Sie erforschen die antiken Passivkühlungsmethoden, um daraus nachhaltige Kühlsysteme für die moderne, grüne Architektur zu entwickeln (z. B. zur Kühlung von Gebäuden ohne CO₂-Ausstoß).

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Der 33,8 m hohe Bâdgir im Dowlat Abad Garten ist ein Meisterwerk der iranischen Ingenieurtechnik und höchster Windfänger Persiens © Aleksandar Todorovic/Shutterstock

Die Klimaanlage der Antike

Der Erfindergeist des Persischen Reiches ging noch weiter. Mit sogenannten Windfängern, den Bâdgir, entwickelten die Menschen eine natürliche Form der Klimaanlage. Sie sind ein traditionelles, jahrtausendealtes Architektur- und Klimatisierungselement, das als passiver, rein natürlicher Kühlturm dient. Die hohen Türme fingen Wind ein und leiteten kühle Luft in Häuser und Paläste

Das System nutzt zwei physikalische Prinzipien, um Gebäude oder Yakhchals völlig ohne Strom zu kühlen. Das Einfangen von Wind: Der Turm ragt hoch über das Gebäude hinaus, um die dort schnelleren und kühleren Winde einzufangen. Die Luft wird durch vertikale Schächte nach unten in die Räume oder Lagerbereiche geleitet. Und der Kamineffekt: Herrscht Windstille, arbeitet der Bâdgir umgekehrt. Die warme Luft im Gebäude steigt nach oben und entweicht durch den Turm. Dies erzeugt einen Unterdruck, der kühlere Luft aus schattigen Innenhöfen oder unterirdischen Kanälen nachzieht. 

In Kombination mit Wasser nutzte man die Verdunstungskühlung, um die Luft nicht nur zu bewegen, sondern aktiv zu kühlen, wurden Bâdgirs oft mit Wasserquellen kombiniert. Qanat-Kopplung: Die eingefangene Luft wurde über die Mündung eines unterirdischen Wasserkanals geleitet. Die Verdunstung des Wassers entzog der Luft Wärme und kühlte sie ab, bevor sie in das Gebäude strömte. Und feuchte Becken: In Wohngebäuden strömte die Luft oft über ein zentrales, flaches Wasserbecken im Innenhof, was die Luftfeuchtigkeit erhöhte und für angenehme Frische sorgte. 

Die Bauweise der Türme unterscheidet sich je nach Region und Hauptwindrichtung. Einseitig geöffnete Türme: Diese zeigen nur in eine Richtung, um gezielt den kühlen Hauptwind zu nutzen und heiße, sandige Wüstenwinde aus anderen Richtungen auszusperren. Oder mehrseitige Türme: Diese sind quadratisch oder achteckig. Sie können Wind aus jeder Himmelsrichtung einfangen und eignen sich besonders für Regionen mit wechselnden Windrichtungen.

Im Gegensatz zu den Wüstenkühlschränken sind die Windtürme heute im Iran und im Nahen Osten fest in der Moderne verankert, sowohl als lebendiges Kulturgut als auch als Inspiration für zukunftsfähige, klimaneutrale Architektur. Die historische Wüstenstadt Yazd im Zentraliran ist weltberühmt für ihre Skyline aus hunderten von Windtürmen. Sie wurde auch aufgrund dieser einzigartigen, nachhaltigen Architektur 2017 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die meisten historischen Bâdgirs stehen unter strengem Schutz. Viele der alten Bürgerhäuser wurden zu traditionellen Boutique-Hotels oder Restaurants umgewandelt. Touristen können dort heute noch erleben, wie die Türme die Innenräume selbst bei über 40 °C Außentemperatur angenehm kühl halten. Der berühmteste und mit 33,8 m höchste noch existierende Bâdgir befindet sich im Dowlatabad-Garten in Yazd und ist heute eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Region.