Ausseerland: Am Weg der Salzstollen

Ein Artikel von Ing. Gerald Stiptschitsch | 15.10.2014 - 11:56

Eine der interessantesten und auch geschichtsträchtigsten Themenwege Österreichs liegt bei Altaussee im steirischen Salzkammergut: die Via Salis. Sie entführt auf die Spuren der Bergknappen bis zurück in die Welt der Römer und die mächtigen Salzherren der Neuzeit.

Der Weg durch die malerische Gebirgslandschaft war früher beschwerlich und nur von einem geprägt: der Salzgewinnung. Heute finden wir hier über 20 Stationen im Rahmen einer gemütlichen Wanderung vor, die sich auf kaum bekannte Sehenswürdigkeiten und das Thema Salz beziehen. Sie werden alte Stolleneingänge finden oder römische Handelsstraßen entdecken. Hinzu kommt der Besuch einer alten Burgruine und vielleicht begegnen wir auch dem „Schwarzen Reiter“.

Salzquellen

Seit Urzeiten sprudeln sie, die kleinen salzhaltigen Quellen am Fuß des Sandling, einem 1717 m hohen Berg. Wenn das Regen- und Schmelzwasser in den Berg sickert und auf ein Salzlager stößt, löst es dort das Natriumchlorid und tritt meist als ungesättigte Quellsole (also mit geringem Salzgehalt) zu Tage. Das „saure Wasserl“ wurde bereits von den ersten Siedlern für Speisezubereitungen verwendet. Mittels erhitzter Steine, die in die Sole gelegt wurden, sodass sich Kristalle bildeten, konnte man auf einfache Weise Salz für den Winter gewinnen. Später wurde Salz in großem Stil gewonnen, indem die natürliche Sole in große Metallpfannen geleitet und mit Holz befeuert wurde.

Hinzu kam dann der Bau von Stollen, um direkt an das Salz heranzukommen. Heute sind jedoch viele der Stollen verbrochen und nicht mehr zugänglich. Das soll uns aber nicht davon abhalten, die Stollen zumindest von außen zu besichtigen. Und letztlich ist ja einer noch mittels Führung zu erkunden.

Start im Kurpark

Unser Weg startet direkt in Altaussee beim Kur- und Amtshaus neben dem Kurpark. Hier befindet sich auch ein großer Parkplatz (gebührenpflichtig), wo wir das Auto abstellen können. Im Kurpark selbst befindet sich bereits die erste Infotafel zur Via Salis. Wir queren den Park der Ausschilderung (die gesamte Wegstrecke ist – bis auf zwei Ausnahmen – gut beschildert) entlang zur Straße, die Richtung Blaa Alm führt und biegen dann gleich wieder links ab über die Brücke des Augstbaches. Wir folgen kurz der Straße aufwärts und biegen dann gleich wieder links ab, gehen durch den kleinen Ortsteil Reith und gelangen schließlich in den Wald, der hinauf zur Ruine Pflindsberg führt. Wir können hier bereits die erste Abzweigung nach links zur Burg wählen (und damit die Via Salis verlassen) oder bis zur Schlosswiese wandern und dann ein Stück bei der Abzweigung links zurück gehen. Wir wählen die erste Abzweigung, kommen bei einer kleinen Jagdhütte vorbei und schließlich zur Ruine Pflindsberg.

Der böse Bischof

Erbaut wurde die Burg von 1252 bis 1254 vom Salzburger Erzbischof Philipp von Sponheim. Er war ein unguter Geselle und wütete noch vor dem Bau der Burg in der Umgebung. Beispielsweise mit Waffengewalt besetzte er das Ausseer Gebiet, um die Erträge aus der Saline zu kassieren. Von der ehemaligen Burg sind heute nur noch Reste des viereckigen Bergfrieds sowie ein Teil der Wehrmauer des kleinen Hofs der Vorburg erhalten. Die Wehrburg diente vor allem zum Schutz des Salzbergwerkes und gegen die eindringenden Ungarn. Später erhielt sie auch zum Schutz der Salzwege große Bedeutung.

1282 gelangte die Burg als Lehen an Herzog Albrecht und diente später als landesfürstlicher Wohnsitz des Verwesers des Hallamtes Aussee. Ab dem Jahr 1409 wurde die Burg vor allem als Kerker und Hinrichtungsstätte für Verbrecher genutzt. Noch heute soll auf der Schlosswiese die Seele des Schwarzen Reiters herumgeistern – er wurde einst als Unschuldiger gefangen und starb im Turm der Burg. 1574 erfolgte eine gründliche Renovierung. 1755 verließ der letzte Bewohner die Burg, der dem Volksmund zufolge von Geistern vertrieben wurde. Von da an war die Burg Pflindsberg, die früher auch den Namen „Pflindsburg“ hatte, dem Verfall preisgegeben und war bereits um 1780 Ruine.

Zum größten Stollen

Von der Burg wandern wir schließlich weiter, zurück zu der kleinen Jagdhütte dem Wegweiser Via Salis folgend und kommen so zu der besagten Schlosswiese, wo wir der Forststraße weiter folgen. Wir gelangen zum Langmoos (Naturschutzgebiet) und biegen da in einen kleinen Weg rechts hinauf in den Wald ab, der uns zum Moosberg führt.

Wenig später erreichen wir bereits den ersten Stollen – den Moosberg-Stollen, der auf 1.011 m Meereshöhe liegt. Diesen Stollen ließ der Babenbergerherzog Leopold VI. („der Glorreiche“) 1209 anschlagen, als im Ahornberg das reiche Hauptsalzlager entdeckt wurde. Er löste 1211 die Bergbaurechte des Stiftes Rein mit einer jährlichen Rente ab und war somit Herr über das Ausseer Salinenwesen – die erste Verstaatlichung des Salzwesens. Der Moosberg-Stollen war als Abbauhorizont noch bis Ende des 19. Jh. in Verwendung.

Der Höchste und Älteste

Überhaupt spielt das Stift Rein bei der Salzgewinnung eine bedeutende Rolle. Wurde früher das Salz über die austretende Quellsole gewonnen, baute man auch schon bald leicht erreichbares Kernsalz aus dem Berginneren ab. Nachdem aber rund 50 Jahre später dieses wenig ergiebige Salzvorkommen erschöpft war, ließ das Kloster im Jahr 1147 den Ahornbergstollen aufschlagen und entdeckte damit das Hauptlager des Sandling.

Dieser Ahornberg-Stollen liegt etwa 40 m höher als der Moosberg-Stollen im Wald. Hinter dem ersten Stollen führt der Weg etwas versteckt zu diesem Stollen hinauf. Wer diesen verpasst hat, kann auch die Forststraße weiter gehen und kommt gleich darauf an einem kleinen Steg vorbei, der links über den Graben führt. Dieser Weg (rote Markierung) führt etwa 5 Minuten hinauf durch den Wald bis zum Ahorn-Stollen, der der älteste und auch der höchste Stollen des gesamten Bergbaues ist.

Über 500 Jahre lang wurde hier auf 1.052m bis ins Jahr 1613 Salz im Laugverfahren abgebaut. Dann kam der große Niedergang – das „Gfäll“. Wasser war eingedrungen und konnte nicht mehr eingedämmt werden. Ein weiterer Abbau war unmöglich. Mittlerweile ist der Stollen komplett verbrochen und kann nicht mehr begangen werden.

Zum Schaubergwerk

Vom Ahornberg-Stollen gehen wir weiter die Via Salis (bzw. wer den Weg über den Steg gewählt hat zurück) zur Forststraße und von da nur wenige Schritte weiter bis zu den nächsten Stollen: dem Sandlingbergstollen (aufgeschlagen 1511) und kurz darauf dem Breunerberg-Stollen (aufgeschlagen 1695).

Kurz nach dem Breunerberg-Stollen verlassen wir die Forststraße und biegen rechts ab in den Waldweg, der uns hinunter zum nächsten Stollen bringt: dem Kriechbaumberg-Stollen. Dieser dient einzig und alleine dazu, das Regen- und Schmelzwasser, das in das Gestein des Sandling einsickert, abzuleiten, damit Schäden an tiefer gelegenen Abbauhorizonten vermieden werden.

Von hier führt schließlich eine steile Asphaltstraße hi­nunter zum Steinberg und dem Steinberg-Stollen, der heute vorrangig als Schaubergwerk dient und im Rahmen einer Führung besichtigt werden kann.

Zurück nach Altaussee

Vom Schaubergwerk begeben wir uns langsam auf den Rückweg. Schräg gegenüber von der Bergwerkskassa und dem Steinberghaus nehmen wir die steile Straße links hinunter und kommen am Ablasswerk vorbei. Dieser Ferdinand-Stollen, benannt nach Kaiser Ferdinand II., diente ursprünglich der Ausleitung der Sole aus dem Steinberg-Horizont, bis er 1975 an Bedeutung verlor und seither ohne Funktion ist. Von hier gelangen wir auf eine Asphaltstraße, der wir wenige Meter folgen, um dann wieder rechts den Weg in den Wald abzuzweigen und dann flacher über Wiesen und durch kleine Waldabschnitte zu gehen.

Auf diesem letzten Wegabschnitt bis nach Altaussee erfahren wir durch weitere Infotafeln mehr über die Geschichte des Salzes. Der Weg führt oberhalb eines weiteren Stollens vorbei – dem sehr jungen und 1918 aufgeschlagenen Scheiben-Stollen. Hier stieß man auch auf eine Natrium-Chlorid-Sulfatquelle, die als Ausseer Heilquelle Anerkennung erhielt. Das Trinkwasser hilft bei Verstopfung, Erkrankungen der Gallenblase, nach Gallenstein-Operationen und bei Problemen mit Leber und Magen.