SOS! Erste Hilfe vom Wegrand

Ein Artikel von Sabrina Bühn | 16.03.2020 - 13:33

Ob Sonnenbrand, Insektenbiss oder kleine Wunden – Mutter Natur hält das richtige Mittel meist direkt am Wegrand bereit. Man muss also keine voll ausgestattete Reiseapotheke mit sich herumschleppen, wenn man sich die wichtigsten Kräuter und ihre Anwendung eingeprägt hat. Die Lösung für kleine Wehwechsen liegt, wie so oft, direkt vor den Füßen!

Alleskönner Spitzwegerich

apotheke_1.jpg

Den heimlichen Alleskönner hat wohl jeder schonmal gesehen. Seine Verwandten, der Breitwegerich und der Mittelwegerich, sind ebenfalls geeignet – wenn auch nicht ganz so effektiv © Manfred Ruckszio/Shutterstock.com

Spitzwegerich wächst quasi überall, ist leicht zu finden und hilft bei fast allen klassischen Wanderer-Wehwechsen. Kein Wunder also, dass dieses Kraut, das gegen fast alles gewachsen zu sein scheint, zur Arzneipflanze des Jahres 2014 gewält wurde. Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) wächst vor allem gerne dort, wo es trocken ist. Also eher am Wegrand als inmitten einer Fettwiese. Die Wirkstoffe sind direkt in den Blätter enthalten. Um diese freizulegen, kann man die Blätter klein zerrupfen, oder – noch besser – im Mund zerkauen und die zerkauten Blätter zusammen mit dem eignen Speichel auf die Wunde auftragen. Spitzwegerich lindert Juckreiz bei Insektenstichen und hemmt Entzündungen bei kleinen Wunden. Außerdem hilft es bei Blasen an den Füßen – und das sogar präventiv. Wer unterwegs merkt, dass es zu einer Blase kommen könnte, reibt sich die Füße mit Spitzwegerichblättern ein.

Deeskalationsprofi Schafgarbe

shutterstock_1655696128.jpg

Der Art-Name „millefolium" beschreibt das Aussehen der Schafgarbenblätter als tausendblättrig. Viele feine Teilblättchen fühlen sich ganz zart in der Hand an, womit man dieses Kraut leicht erkennen kann © Orest lyzhechka/Shutterstock.com

Dieses Heilkraut ist eine wahre ätherische Bombe! Ihre vielen Bitterstoffe und Öle sind in gängigen Medikamenten enthalten. Die Schafgarbe (Achillea millefolium) wird quasi für alle Probleme im Bereich der Verdauungsorgane eingesetzt. Bei Magen-Darm-Problemen, Bauchschmerzen und Krämpfen ist sie die erste Wahl! Des Weiteren ist das Kraut für seine blutreinigenden Eigenschaften bekannt. Gut, dass die Schafgarbe sehr häufig unterwegs auf den Wiesen zu finden ist. Schaut genau hin, den oft ist das kleine Kraut auf den ersten Blick nicht gleich zu sehen, weil andere Gräser darüber hinweg wachsen!

Wenn's brennt: Wurmfarn

shutterstock_1462426031.jpg

© TerezaKt/Shutterstock.com

Wenn es zwickt und schmerzt oder sogar bei leichten Verbrennungen und Entzündungen auf der Haut hilft der schattenliebende Farn wahre Wunder. Einfach einen feuchten Umschlag mit Farnen um die betroffenen Körperstellen wickeln für Linderung unterwegs. Man findet den gemeinen Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) vor allem im Wald oder an Waldrändern. Er mag es nämlich schattig und feucht.

Immunsystemvorarbeiter Giersch

shutterstock_427395199.jpg

Die Blätter des Giersch sind unverkennbar im Aussehen und im Geschmack © Manfred Ruckszio/Shutterstock.com

Der Giersch ist, einmal Fuß gefasst, ein Wucher-Künstler! Bei Gärtnern ist er aufgrund dieser Eigenschaft eher unbeliebt. Doch das würde sich schlagartig ändern, wenn denn nur jeder einmal dieses köstliche Kraut probieren würde. Giersch (Aegopodium podagraria) schmeckt wie eine Mischung aus Karotte und Petersilie und ist ein echtes Superfood. Mit viel Vitamin C, Kalium und wichtigen, entgiftenden sekundären Pflanzenstoffen, stärkt eine Portion Giersch das Immunsystem immens. Frisch, z. B. aufs Butterbrot oder im Salat, bleiben die Vitamine alle erhalten. Doch auch getrocknet oder mariniert verfeinert es alle möglichen Gerichte. Unterwegs also einfach mal eine handvoll naschen für einen Energie-Boost!

Trick 17: Baumharz

apotheke.jpg

© orangecrush/Shutterstock.com

Das Harz der Bäume findet in dieser Liste seinen Platz, weil es ein uralter Trick von Waldarbeitern gegen allerhand Wehwechen ist. Dabei ist ganz unspezifisch, von welchem Baum das Harz stammt. Bäume produzieren das Harz als Heilmittel gegen Wunden für sich selbst – doch auch der Mensch profitiert von den antibakteriellen und pilzabtötenden Wirkstoffen im Harz. Förster nutzten Harze schon immer gern als Notfall-Zahnpasta oder Pflaster. Letzteres eignet sich besonders gut in Kombination mit Kräutern. Doch auch als „Salbe" mit den Händen gewärmt und verrieben ist Harz anwendbar bei rauer Haut. Außerdem belebt das stark duftenden Baumharz und macht müde Wanderer wieder munter.