Schutzgebiet ist nicht gleich Schutzgebiet

Ein Artikel von Monika Stroj | 05.02.2026 - 16:52

Weltweit gibt es unterschiedliche Kategorien von Naturschutz, denn verschiedene Landschaftsformen, Lebensräume und Arten benötigen Schutz in unterschiedlichem Ausmaß. Generell sind derartige Gebiete wichtig, um seltene Arten und Lebensräume zu erhalten, damit die Natur großräumig und möglichst ungestört funktionieren und Menschen Erholung in geschützter Landschaft finden können.

In Österreich finden wir auf rund 30% der Staatsfläche Nationalparks, Naturparks, Biosphärenparks und sogenannte „Natura 2000“ Europaschutzgebiete, in denen der Natur teils komplett freier Lauf gelassen wird, oder aber eine Nutzung durch den Menschen in nachhaltig verträglichem Ausmaß möglich ist. Verankert sind die Grundlagen dazu entweder im Landes-, Bundes- oder EU-Recht.

Breit gefächert

np_gesaeuse_shutterstock_2388718069.jpg

Als „wilde Mitte Österreichs“ wird der Nationalpark Gesäuse auch bezeichnet © Jiri Ambroz/Shutterstock

Klassifiziert werden Naturschutzgebiete unter den sogenannten IUCN-Kategorien („International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“). Die Organisation hat erstmals im Jahr 1962 in Seattle internationale Richtlinien für die Errichtung von Nationalparks und Schutzgebieten erstellt.

Es gibt insgesamt sechs Kategorien, in die höchste - Kategorie I - fallen besonders streng geschützte Wildnisgebiete. Dazu gehören solche, die nur zu Forschungszwecken betreten werden dürfen und wo es keinerlei menschliche Einflüsse geben soll (Ia), wie etwa der Rothwald im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal. Wesentlich größer ist die Fläche der Kategorie Ib – hier soll der Charakter ans Ursprüngliche bewahrt werden: das Betreten ist zwar erlaubt, die touristische Nutzung jedoch untersagt – das trifft z. B. auf die Sulzbachtäler im Nationalpark Hohe Tauern zu.

Die Nationalparks gehören der Kategorie II an – nur 2,5% der geschützten Flächen in Österreich werden den Kategorien I und II zugeordnet. Hier werden großflächige natürliche oder naturnahe Gebiete geschützt, um die dort typischen Arten, Ökosysteme und ökologischen Prozesse zu erhalten.

In der Kategorie „Nationalpark“ hat Naturschutz die oberste Priorität. Die wirtschaftliche Nutzung – etwa durch die Land- oder Forstwirtschaft – ist stark eingeschränkt oder überhaupt verboten, damit die natürlichen Prozesse möglichst ungestört ablaufen können. Die vollständigen Ökosysteme sollen geschützt werden, die biologische Vielfalt erhalten. Möglich sind Forschung, Umweltbildung und „sanfter Tourismus“. Natur ganz ohne Nutzungsdruck, es gibt große Kernzonen, die „Wildnis“ ermöglichen. Damit ein Gebiet zum Nationalpark werden kann, müssen mindestens 75 % der Fläche sich selbst überlassen werden, auf den restlichen 25 % sind menschliche Eingriffe und auch landwirtschaftliche Nutzung erlaubt.

Es gibt in Österreich insgesamt sechs offiziell anerkannte Nationalparks: Nationalpark Hohe Tauern, Donau-Auen, Kalkalpen, Gesäuse, Neusiedler See-Seewinkel und Thayatal.

Verschwimmende Grenzen

np_hohetauern_shutterstock_1936599700.jpg

Der größte Österreichs ist der Nationalpark Hohe Tauern, auch der Großglockner und die Pasterze liegen auf seinem Gebiet © grafxart/Shutterstock

Die größte Zahl der Schutzgebiete kommt von jenen, die etwas weniger strenge Kategorien aufweisen: Naturschutzgebiete (starke Nutzungsbeschränkungen), Landschaftsschutzgebiete (reglementierte Eingriffe, wobei der Fokus stärker auf die Kulturlandschaft liegt), Europaschutzgebiete (Natura 2000) und Wildnisgebiete.

Ein Naturdenkmal (Kategorie III) unterliegt einem ähnlich strengen Schutz wie der Nationalpark, allerdings ist das Gebiet wesentlich kleiner. Das kann auch nur ein einzelner Baum oder Wasserfall sein. Ein Beispiel aus Österreich ist der „Große Ahornboden“ im Naturpark Karwendel.

Naturparks zielen darauf ab, dass in der Landschaft Mensch und Tier interagieren und die wirtschaftliche Nutzung durch den Menschen stattfinden soll. In ganz Österreich gibt es rund 50 Naturparke. Das ist bei UNESCO-Biosphärenparks ähnlich, sie fokussieren das Zusammenleben von Mensch und Tier auf ihrer Fläche und legen viel Wert auf das nachhaltige Wirtschaften in einer Region. Es gibt in Österreich vier davon: Großes Walsertal, Wienerwald, Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge sowie Unteres Murtal. Das UNESCO-Programm „Man and the Biosphere“ steht hinter dieser Art von Schutzgebiet.